Grünebaum-Preisträger 2013

Alexander Vogelsang, Dr. Anne Bantelmann-Betz, Denise Ruddock, Debra Stanley, Elena Soltan,
Dr. Martin Strehler

Preisträger 2013

Die Max Grünebaum-Stiftung würdigte am Sonntag, 27. Oktober 2013, in Cottbus Künstler des Staatstheaters Cottbus mit zwei Max-Grünebaum-Preisen und einem Förderpreis. Zwei Max-Grünebaum-Preise sowie einen Förderpreis erhielten Nachwuchswissenschaftler der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU Cottbus-Senftenberg).

Die Max-Grünebaum-Preisträgerinnen des Staatstheaters Cottbus sind die Sängerin Debra Stanley und die Tänzerin Denise Ruddock.
Den Karl-Newman-Förderpreis, eine Studienreise nach London, erhielt die 1. Konzertmeisterin Elena Soltan.

Die Max Grünebaum-Stiftung verlieh der BTU drei Auszeichnungen.
Der Max-Grünebaum-Preis 2013 ging an zwei hervorragende Nachwuchswissenschaftler der BTU Cottbus-Senftenberg: Dr. phil. Anne Bantelmann-Betz und Dr. rer. nat. Martin Strehler.
Der Ernst-Frank-Förderpreis, der einen Studienaufenthalt in Großbritannien beinhaltet, wurde an Alexander Vogelsang, B.Sc., verliehen.

Der Max-Grünebaum-Preis, der in diesem Jahr zum 17. Mal vergeben wurde, ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert. Die Preise wurden im Rahmen eines Festaktes verliehen.

Ein Grußwort hielt in diesem Jahr S.E. Nick Pickard, Generalkonsul der Britischen Botschaft in Berlin. Im Rahmen der festlichen Veranstaltung präsentierte Schauspielerin Laura Maria Hänsel, Max-Grünebaum-Preisträgerin 2012, einen 2013 entstandenen Kurzfilm mit dem Titel „TraumTaucher zu sein“ (Regie: Erik Schiesko / Laura Maria Hänsel), dessen Produktion durch das Preisgeld ermöglicht wurde.

 

Max-Grünebaum-Preisträgerin Debra Stanley

Debra Stanley – Sängerin

Debra Stanley

Max-Grünebaum-Preis

Die Wege, um in einen künstlerischen Beruf einzusteigen, sind vielfältig und höchst individuell. Aber ganz am Anfang steht immer jemand, der das künstlerische Potential entdeckt, befördert, Mut macht und die Begabung zu einem Talent befähigt. So steht unsere erste heutige Max-Grünebaum-Preisträgerin, Mitglied des Opernensembles des Staatstheaters Cottbus, als ein musterhaftes Beispiel für das Erkennen ihres stimmlichen Talents durch ihre Eltern, die ihre „Debby“ – wie sie liebevoll von ihren Freunden genannt wird, ganz entscheidend auf dem Weg hin zu einer erfolgreichen Sängerin begleitet haben, ja man kann auch sagen: Sie waren eigentlich der Initiator, dass Debra Stanley diesen beruflichen Lebensweg eingeschlagen hat, der sie im Juni 2011 zu einem höchst erfreulichen Vorsingen nach Cottbus führte.

Aber warum betone ich so die beherzte Initiative der Eltern – das hat natürlich einen Grund: Debra Stanley war von ihrem Naturell her eher schüchtern und zurückhaltend, auch gab es keine nennenswerte Verbindung zur klassischen Musik, die große Oper hat sie nie gereizt, eher war sie fasziniert von Musicals von Andrew Lloyd Webber, deren Songs sie nach Schallplatten mitsang, und eher liebäugelte sie damit, Romane zu schreiben. Wie überhaupt sie sich mehr von einem romantischen und neugierigen Leben im Stil des „Bohémiens“ angezogen fühlte – und ein bürgerlicher Beruf kam für sie sowieso nie in Frage, obwohl sie in der Schule gut war – zu gut! Sie hätte als glatte Einserin in allen Fächern jeden Beruf einschlagen können, nach dem Abschluss des Gymnasiums für Technologie. Aber ihre Eltern organisierten ihr Gesangsunterricht, Debra Stanley war 12 Jahre alt – hatte zuvor ihr erstes Solo als Engel in einem Weihnachtsprogramm der Schule gesungen – die Gesangslehrerin war Nachbarin in Virginia. Und einmal wöchentlich wurde nun in der Kirche gesungen.

1987 begann ein neuer Lebensabschnitt: Der Vater – Leutnant bei der US-Army – wurde nach Deutschland, samt Familie, versetzt und fortan sollte nun das Leben pendeln zwischen Amerika und Deutschland. 1990 wieder in Amerika begann die langsame Annäherung an die Oper, vermittelt durch die Lehrerin, wagte man sich an kleine Opernarien und das Talent zu einem lyrischen Sopran wurde langsam entwickelt.

Mit 16 Jahren dann die entscheidende Mitwirkung beim Sommerfestival des Boston-Symphonie-Orchesters in Tengelwood: Der Entschluss, den Gesang als Beruf zu ergreifen, war gefasst! – Natürlich sehr zustimmend begleitet und ermuntert von den Eltern.

Nun ging es zielstrebig voran:

Zuerst in Amerika, an der „Eastman-School of Music“ in New York, wo der Bachelor of music erlangt wurde

Dann 4 Jahre Studium in Karlsruhe an der Musikhochschule bei Prof. Hartmut Höll – vor allem wurden Lieder gearbeitet; Meisterklassen bei FIDI (Dietrich Fischer-Dieskau) und Júlia Várady wurden besucht

Danach 1 Jahr Studentenaustausch in Paris am berühmten Conservatoire national des musique

Vorsingen für die Aufnahmen in europäischen Opernstudios klappten leider nicht, so dass es wieder für zwei Jahr in die USA ging.

Dort bekam sie aber ihre erste Chance am „Opera Theatre of St. Louis“ und debütierte mit einer Nebenrolle: der Cousine in „Madame Butterfly“.

Doch die erste Hauptrolle ließ nicht lange auf sich warten: Beim Aspen Musik Festival folgte dann die Zerlina in Mozarts „Don Giovanni“, wo sie einen 1. Preis im Gesangswettbewerb erhielt, sowie in der Folgezeit weitere 1. und 3. Preise in internationalen Gesangswettbewerben, gefolgt von Liederabenden u.a. beim Ravinia Festival.

2011 ging es wieder nach Deutschland – die Eltern waren inzwischen erneut dorthin gewechselt und Debra Stanley bewarb sich an deutschen Theatern: Cottbus lud zuerst ein, sie kam – sah und siegte.

Sie war ein echter Glücksgriff – ausgewählt aus mehreren Dutzend Bewerberinnen – beherrschte sie all das stimmlich, was wir für die Ergänzung unseres Stammensembles dringend suchten: eine vielseitig einsetzbare junge Sopranistin, die sowohl lyrisch als auch Koloratur beherrscht und in der Lage ist „umzuschalten“ auf Musical-Sound.

Seither hat sie in den zwei Jahren 14 Rollen souverän verkörpert:

u.a. die Linda in „I love You, You’re Perfect, Now Change“ (Musical), Olympia in „Hoffmanns Erzählungen“, Eurydike in „Orpheus in der Unterwelt“, Suri in „20.000 Meilen unter dem Meer“, Frasquita in „Carmen“ und sensationell ihre Madelaine in „Der Fall des Hauses Usher“, wo sie in Jo Fabians Regie klaglos in einem bis zum Hals reichenden Behältnis mit steigendem Wasser souverän ihre enorme Partie bis zum Ende sang.

Im Sommer 2012 gastierte sie sehr erfolgreich beim Sommerfestival „Gut Immling“ in Bayern als Susanna in „Figaros Hochzeit“.

Was Debra Stanley preiswürdig macht, ist ihr enormer Fleiß und der Mut, sich ungewohnten Partien zu stellen. Spielmäßig ist sie sehr schnell in das Niveau des Ensembles hineingewachsen und zählt mittlerweile zu den „Publikumslieblingen“. Wir sind sehr stolz, dass sie an unserem Haus beschäftigt ist und gratulieren zum Max-Grünebaum-Preis 2013.

Laudatio von Martin Schüler, Intendant des Staatstheaters Cottbus

Max-Grünebaum-Preisträgerin Denise Ruddock

Denise Ruddock – Tänzerin

 

Denise Ruddock

Max-Grünebaum-Preis

Max-Grünebaum-Preisträgerin Denise Ruddock wurde in Alicante (Spanien) geboren. Die Tänzerin gehört seit der Spielzeit 2011/12 fest zum Ballettensemble des Staatstheaters Cottbus. Ihren ersten Ballettunterricht erhielt sie bereits mit drei Jahren und vervollständigte die Ausbildung von 1998 bis 2001 an der „Central School of Ballet“ in London. Vor ihrem Cottbuser Engagement arbeitete sie in Stuttgart (Das Phantom der Oper) sowie am Stadttheater Bremerhaven, am Landestheater Coburg und an den Landesbühnen Sachsen.

In Cottbus war sie bislang zu erleben in „Chopin Imaginaire“ (Choreographie: Giorgio Madia), als Erste Liebe in „Und der Haifisch, der hat Tränen“ (Ch: Sven Grützmacher), Isabella in „Harlekin“ (Ch: Giorgio Madia), Julias Freundin in „Romeo und Julia“ (Ch: Ralf Rossa)  sowie in „Berührungen. Eine Balkan-Rhapsodie“ (Ch: Adriana Mortelliti) und „Le Sacre du Printemps. Frühlingsweihe“ (Ch: Lars Scheibner).

Insbesondere ihre ganz hervorragende tänzerische Leistung in der expressiven Rolle des Tanzstücks „Berührungen. Eine Balkan-Rhapsodie“ zeichnen Denise Ruddock als diesjährige Max-Grünebaum-Preisträgerin aus. Großer darstellerischer Einsatz ist bei ihr gepaart mit absoluter

Disziplin. Die Tänzerin beherrscht perfekt unterschiedliche Stile. Mit ihren Rollen setzt sie sich sehr eingehend auseinander und bringt sie mit atemberaubender Intensität auf die Bühne. Wegen ihrer ausgezeichneten Auffassungsgabe vermag sie Tanzrollen außerordentlich schnell einzustudieren und zu übernehmen.

Laudatio von Dirk Neumann, Leiter des Ballettensembles

 

Karl-Newman-Förderpreispreisträgerin Elena Soltan

Elena Soltan – 1. Konzertmeisterin

Elena Soltan

Karl-Newman-Förderpreis

Ein Konzertmeister ist der wichtigste Musiker im Orchester. Warum? Ein Orchester ist zwar ein Team wie eine Sportmannschaft. Man braucht auf jeder Position starke Spieler, aber man braucht auch einen führenden Leistungsträger, der Akzente für die gesamte Mannschaft setzt. Es gibt ein Phänomen beim Orchester: wenn der Konzertmeister gut ist, spielt das gesamte Orchester grundsätzlich besser.

Meine Damen und Herren, Sie ahnen schon, von wem ich rede. Seit ungefähr einem Jahr haben wir eine solche Spitzenmusikerin und Leistungsträgerin in unserem Orchester.

Elena Soltan ist 1. Konzertmeisterin im Orchester des Staatstheaters Cottbus. In ihrer relativ kurzen Zeit hier hat sie schon ein großes Repertoire erarbeitet: 4. Bruckner, „Aida“, „Götterdämmerung“, „Rheingold“, „Hoffmanns Erzählungen“, Prokofjews  „Romeo und Julia“, 8. Mahler, 7. Schostakowitsch, „Bürger als Edelmann“ und natürlich „Scheherazade“, woraus Sie heute einige Ausschnitte hören, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Seitdem sie hier ist, hat das Orchester einen qualitativen Sprung gemacht. Sie führt das Orchester gut vorbereitet mit so einer Energie, dass wir teilweise sogar weniger proben müssen.

Frau Soltan hat eine harte Geigenschule hinter sich. Sie kommt aus Almata in Kasachstan und erhielt ihren ersten Violinunterricht mit 5 Jahren, genau seit ihrem 5. Geburtstag. Ihre Eltern, beruflich Geologen, haben ihren musikalischen Werdegang sehr unterstützt. Auch ihre beiden Geschwister studieren Musik, wie Frau Soltan davor, im Moskauer Tschaikowski-Konservatorium.

Wie so viele Spitzengeiger hatte Frau Soltan in der Kindheit einen Übe-Partner, ihre Mutter. Sowohl Mutter als auch Kind hören absolut. In der Spezialschule hat Frau Soltan 12 Jahre lang zwei Mal in der Woche Unterricht gehabt. Als sie dann im Moskauer Konservatorium vorgespielt hat, belegte sie von ca. 200 Bewerbern den ersten Platz. Sie hatte beim Vorspielen sogar so viele Punkte, dass sie nicht mal die letzte Prüfung machen musste. Sie ist in der berühmten Klasse von Eduard Grach gelandet. Dort mussten alle großen Standardwerke auswendig gespielt werden.

Frau Soltan hat nie daran gezweifelt, Musikerin zu werden. Man merkt, wie natürlich Geige spielen für sie ist. Durch ihre Souveränität ist sie auch eine geborene musikalische Führungspersönlichkeit. Sie hat eine Art, mit ihren Kollegen zu arbeiten, die genau so natürlich ist. Sie ist bestimmt – aber immer elegant und passend im Umgang.

Frau Soltan hat eine lange Liste von Wettbewerben und Stipendien gewonnen. Sie sammelte schon Erfahrungen in verschiedenen Orchestern wie z.B. als festes Mitglied des renommierten Musica Viva Staatskammerorchesters Moskau.

Parallel zu ihrer Arbeit am Staatstheater Cottbus macht sie 2014 ihr Konzertexamen an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.  Dort muss sie eine dreiteilige Prüfung absolvieren mit ca. 5 Stunden Solo-Repertoire.

Es gefällt Frau Soltan, Konzertmeisterin in Cottbus zu sein. Sie arbeitet gerne im Kollektiv und obwohl Hamburg und Moskau tolle Erfahrungen waren, genießt sie die Lebensqualität einer kleineren Stadt wie Cottbus.

Frau Soltan ist eine Spitzen-Konzertmeisterin und eine Bereicherung für unser Orchester sowie die Stadt Cottbus.

Ich freue mich sehr, ihr den Karl-Newman-Förderpreis 2013 zu überreichen.

Laudatio Evan Christ (GMD)

Dr phil Anne Bantelmann-Betz_2

Dr. phil. Anne Bantelmann-Betz

Dr. Anne
Bantelmann-Betz

Max-Grünebaum-Preis

Meine Damen und Herren,

was machen Wissenschaftler eigentlich? Worum geht es bei der Wissenschaft? Ich denke, Wissenschaft, Grundlagenforschung, hat – ganz simpel gesagt – das Ziel, im vermeintlichen Chaos der Welt um uns herum Muster und Strukturen zu erkennen. Und die so gefundenen Muster und Strukturen, vielleicht sogar Gesetzmäßigkeiten, sollen uns helfen, die Phänomene zu verstehen, mit denen uns die Realität konfrontiert.

Das gilt gleichermaßen für die Astrophysik wie für die Kunstgeschichte.

Die Arbeit von Anne Bantelmann-Betz ist ein wunderbares Beispiel für klare, präzise Wissenschaft. „Historische Wiederaufbauten englischer Landhäuser“ lautet der Titel der Arbeit, und der Untertitel erklärt das genauer: „Der denkmalpflegerische Umgang mit klassischen Landhäusern nach Bränden, 1875-1914“.

Die Arbeit stellt den vorläufigen Höhepunkt der noch kurzen, aber äußerst verheißungsvollen wissenschaftlichen Karriere von Anne Bantelmann-Betz dar. 1980 geboren, hat sie (nach dem Studium der Kunstgeschichte an der FU Berlin) seit 2006 ihr herausragendes Talent für Forschung und Lehre am Lehrstuhl Denkmalpflege der BTU in vielfältiger Weise unter Beweis gestellt. Ein wichtiger Faktor für die zügige Bearbeitung war ein Stipendium der Graduate Research School der BTU, da Frau Bantelmann sich ein dreiviertel Jahr voll auf die Fertigstellung des Manuskriptes ihrer Doktorarbeit konzentrieren konnte. Diese School ist eine Einrichtung der BTU, die sich seit Jahren speziell der Förderung junger Nachwuchswissenschaftler widmet, und um die uns bundesweit so mancher Kollege beneidet. Sie hat ein breitgefächertes fachliches Profil und stärkt die Forschungskerne, die wir brauchen, wenn wir das Ziel erreichen wollen, das Herr Dr. Hendriks vorhin charakterisiert hat, nämlich eine forschungsorientierte Universität zu sein. Die Exzellenz, die dabei entsteht, kann man auch daran messen, dass allein aus unserem Institut für Bau- und Kunstgeschichte bisher schon achtmal Preise der Grünebaum-Stiftung errungen werden konnten.

Worum geht es nun in der heute ausgezeichneten Doktorarbeit? Anne Bantelmann richtet ihren Blick auf die englischen Landhäuser, die in den vier Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg abgebrannt sind. Das sind viele Dutzend, denn man ging viel mit offenem Feuer um und selbst die Einführung des elektrischen Stromes hatte ihre Tücken, weil man von Isolierung noch nicht so viel verstand. Immerhin 46 Beispiele werden in der Arbeit untersucht, davon zwei besonders intensiv. Vor allem unter dem Aspekt: was geschah nach dem Brand? Wollte man das verlorene Haus genau so wiedergewinnen, wie es vor dem Brand war? War man vielleicht froh, die alte Hütte los zu sein und nutzte die Gelegenheit, etwas völlig Neues zu bauen? Oder verwendete man nur einige Motive des Altbaus, und wenn ja, welche?

Nun ist es eine Sache, alle möglichen Detailinformationen über 46 Landhäuser zu sammeln; das kann jeder. Aber der Anspruch, in diesem ungeordneten Haufen von Informationen Strukturen zu erkennen, ähnelt der bekannten Problemstellung: „Auf einem Schiff sind 26 Schafe und 10 Ziegen. Wie alt ist der Kapitän?“

Das Erstaunliche ist nun, dass es Anne Bantelmann tatsächlich gelungen ist, die Frage nach dem Alter des Kapitäns zu beantworten. Ein Ergebnis ihrer Arbeit ist nämlich, dass sie eine Struktur in das scheinbar formlose Material der Einzelfälle bringt. Sie zeigt, dass die Entscheidung eines Landhausbesitzers, ob und – wenn ja – wie er sein Landhaus wiederaufbauen würde, keineswegs willkürlich fiel oder nur nach persönlichem Geschmack getroffen wurde. Vielmehr war jeweils aufgrund objektiver Kriterien zumindest eine sehr erhebliche Tendenz vorgegeben, wohin die Reise gehen würde – etwa durch den sozialen Status des Besitzers (genauer: seinen Rang innerhalb der landbesitzenden Elite mit den verschiedenen Schichten der Aristokratie, der Peers), durch das Lebensalter des Eigentümers, aber nicht zuletzt auch aufgrund des Blickes der Öffentlichkeit auf das jeweilige Objekt, also dessen Status als national bedeutendes Denkmal und den Anspruch, dieses für die Nation zu erhalten. So war es fast unvermeidlich, dass ein Earl, vor allem wenn er schon etwas älter war, sein historisch bedeutsames Landhaus möglichst getreu wieder aufbauen würde: Der Begriff „peer pressure“ ist hier wohl mal wörtlich zu nehmen. Dagegen würde ein Neureicher, zumal wenn selber eher jung war, eher zum Mittel des kompletten Neubaus greifen.

Die Arbeit ist schon in ihrer Grundkonzeption und Aufgabenstellung ungewöhnlich und eigenständig und zeigt, was Forschung in der Disziplin Denkmalpflege umfassen und ausmachen kann. Anne ist ihrem Studium nach Kunsthistorikerin, aber sie versteht und nutzt die methodischen Mittel der Kunstgeschichte nicht allein, um sich mit der Geschichte von Formen und Erscheinungsbildern zu beschäftigen, sondern dazu, die Denkweise und die Prioritäten von Menschen einer anderen Zeit und einer anderen Lebenswirklichkeit zu erschließen. Sie macht damit auch Wertmaßstäbe sichtbar und nachvollziehbar, die innerhalb dieser Gesellschaft und Erlebniswelt galten; andersartige, aus heutiger Sicht für viele durchaus fremdartige Lebensentwürfe, die in materiellen Objekten Ausdruck gefunden haben: eben in den Denkmalen, den „Objekten von kultureller Bedeutung“.

Eine nicht zu unterschätzende Qualität der Arbeit besteht darin, dass sie das komplexe Thema und die vielschichtigen Ergebnisse in geradliniger, scheinbar anstrengungsloser Sprache vermittelt und den Leser auf eine spannende Entdeckungsreise in die Lebensumstände, Gedanken und Wertvorstellungen der englischen landed gentry der Zeit um 1900 mitnimmt.

Anne Bantelmann-Betz ist ein wissenschaftliches Ausnahmetalent mit großer Begabung für innovatives Denken, eigenständige Arbeit und nicht zuletzt für klare und mitreißende Vermittlung von komplexen historischen Methoden und Erkenntnissen. Ihre kommunikativen Fähigkeiten hat sie auch in der Lehre und im außeruniversitären Engagement, etwa durch die Mitarbeit im Denkmalbeirat der Stadt Cottbus und in anderen denkmalpflegerischen Organisationen, immer wieder nutzbringend eingesetzt. Aktuell ist sie in einem Forschungsprojekt über Hopetoun House engagiert, das bei Edinburgh gelegene Landhaus des Marquess of Lilithgow – eine Gemeinschaftsarbeit britischer und deutscher Kolleginnen und Kollegen, die wohl Ende des nächsten Jahres als Buch erscheinen wird.

Laudatio von Prof. Dr. Leopold Schmidt (Lehrstuhl Denkmalpflege)

Dr. Martin Strehler

Dr rer nat Martin Strehler

Dr. rer. nat. Martin Strehler

Max-Grünebaum-Preis

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist eine große Freude, Ihnen mit Herrn Dr. rer. nat. Martin Strehler einen weiteren Preisträger des  Max-Grünebaum-Preises 2013 vorzustellen, einen jungen Forscher der angewandten Mathematik der BTU Cottbus-Senftenberg. Er beschäftigt sich in seiner Dissertation und weiteren Forschungen mit einem für die Wirtschaft, aber auch für jeden Einzelnen sehr interessanten Thema: Er geht der Frage nach, wie Verkehrsflüsse zu bestimmten Zielen optimiert werden können, angewendet auf den Autoverkehr, auf Evakuierungen, auf Container-Transporte oder auf den Internet-Datenverkehr.

Nun gilt die Mathematik ja seit jeher als schwierige und trockene Materie. Der Mathematiker Blaise Pascal meinte, dass die Mathematik so ernst sei, dass man keine Gelegenheit versäumen sollte, dieses Fachgebiet unterhaltsamer zu gestalten. Nach der Lektüre von Teilen der Arbeit kann ich nur sagen: Dies ist Herrn Dr. Strehler jedenfalls voll gelungen, nicht nur mit der Themenstellung, sondern auch mit klarer – übrigens englischer – Sprache und stringentem Aufbau seiner Forschungsarbeit. Wichtiger ist dabei natürlich, wie es einer der Gutachter der mit Summa cum laude bewerteten Dissertation von Herrn Dr. Strehler ausgedrückt hat:

„Aus meiner Sicht ist es ein höchst wünschenswerter und selten erreichter Zustand, dass eine Arbeit nicht nur Probleme löst, sondern auch neue Pfade für Forschung und Fortschritt eröffnet.“ Die Dissertation Herrn Strehlers gehöre der zweiten Kategorie an.

Zurück zum Forschungsgegenstand der Arbeit: Meine Damen und Herren, viele von Ihnen haben immer mal wieder vor einer roten Ampel nach der anderen und wünschten sich eine grüne Welle herbei. In solchen Situationen geht es ja um das Problem, wie Ampeln geschaltet werden müssten, damit die einzelnen Fahrzeuge möglichst wenig Zeit durch Warten an roten Ampeln verlieren.

Und weiter: Wenn Sie sich hier im Theater aufmerksam umschauen, sehen Sie an verschiedenen Stellen (grüne) Notausgangschilder. Nun hoffen wir alle, dass sie nie gebraucht werden, aber falls doch: Wie kann man die Menschen mithilfe dieser Schilder sozusagen routenmäßig so durch das Gebäude leiten, dass alle so schnell wie möglich evakuiert, also in Sicherheit sind? Und was hat dies mit Mathematik zu tun?

Dies sind zwei der ganz praktischen Probleme, mit denen sich Martin Strehler sehr erfolgreich beschäftigt: In der Sprache der Mathematiker formuliert, untersucht er effiziente Algorithmen und Strukturen in statischen und dynamischen Netzwerkflussproblemen. Ich glaube, das brauche ich Ihnen nicht weiter zu erläutern.

Martin Strehler führt in seiner Arbeit ein neuartiges zyklisch-zeitexpandiertes Modell für Verkehrsflüsse ein, das es ermöglicht, die zeitliche Abhängigkeit zwischen verschiedenen Ampelkreuzungen eines Verkehrsnetzes abzubilden, und zwar unter Berücksichtigung von Verkehrszeiten und auch unter Berücksichtigung bestimmter Verkehrsaufkommen. Nach der von Herrn Strehler entwickelten Methode lässt sich in Bruchteilen von Sekunden – natürlich computergesteuert – berechnen, wie Fahrzeuge durch das Netzwerk geleitet werden müssen, um insgesamt so wenig wie möglich Fahr- und Wartezeit im Straßennetzwerk zu verbringen. Das wäre dann die wirklich funktionierende grüne Welle.

Das von Martin Strehler neuentwickelte Rechenverfahren wurde auf der Basis verschiedener realer Daten getestet, und die Qualität der gefundenen Optimierungslösungen ließ sich mithilfe verschiedener Verkehrssimulationswerkzeuge nachweisen.

Auch das zweite schon erwähnte Forschungsthema ist eine praktische Anwendung der Verkehrsoptimierung: Für ein Gebäude wie dieses Theater, für ein Stadion oder eine Stadt braucht man Fluchtpläne für den Katastrophenfall wie ein Feuer oder einen Tsunami. Dabei besteht das Problem, dass die an jeder Weg-Kreuzung eintreffenden Personen nur in eine gemeinsame Fluchtrichtung gelenkt werden können. Wie lässt sich hier ein Stau vermeiden, baulich und vom Verkehrsfluss her gesehen? Herr Dr. Strehler hat einen mathematischen Weg aufgezeigt, mit dem eine möglichst große Anzahl von Personen schnell zum Ausgang gelenkt werden kann.

Martin Strehler ist es in seiner hervorragend verfassten Dissertation also gelungen, mehrere sehr praxisrelevante Fragestellungen mathematisch zu modellieren. Die Ergebnisse, die er dabei erzielt hat, wurden bei internationalen und begutachteten Konferenzen präsentiert und angenommen. Insbesondere die Ergebnisse zur Optimierung von Ampelschaltungen und das neuartige zyklisch-zeitexpandierte Verkehrsmodell wurden auch auf ingenieurwissenschaftlichen Tagungen vorgestellt. Hier sieht man die Bedeutung einer Verknüpfung von Mathematik und Ingenieurwesen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich denke, Sie haben einen kleinen Eindruck von der Forschungsarbeit von Herrn Strehler bekommen und haben gesehen, dass moderne Mathematik hier in Cottbus einen ganz engen Bezug zu praktischen Fragen hat.

Verehrtes Publikum, Johann Wolfgang von Goethe wusste ja über die Mathematiker zu sagen, dass mit ihnen kein heiteres Verhältnis zu gewinnen sei. Er irrte. Denn er kannte Herrn Dr. Strehler nicht. Herr Strehler ist in der Universität ein anerkannter und sehr beliebter Kollege. Seine offene, ruhige und humorvolle Art macht ihn zu einer Art „Kristallisationspunkt“ in der Fakultät. Mit ihm kann man sicher nicht nur wunderbar über Mathematik diskutieren – sondern er engagiert sich auch für unsere Universität: Er tritt ein für eine forschungsnahe Lehre (gerade auch in der Mathematik) und wurde von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als einer ihrer Interessenvertreter bestimmt. Er ist ein verlässlicher Ansprechpartner für Kollegen, Mitarbeiter, Tutoren und Studenten. Dass es für Herrn Strehler auch ein Leben außerhalb der Mathematik gibt, sieht man vielleicht daran, dass er stolzer Besitzer eines kleinen Segelbootes auf einem Brandenburger See ist und außerdem jedes Jahr als Skipper mit seinem Hochseesegelschein irgendwo in der Welt über die Meere schippert. Ich hoffe, ich darf dies hier verraten.

Sie sehen, meine Damen und Herren, der Mathematiker Martin Strehler steht mitten im Leben. Er ist ein engagierter, fähiger Forscher, der die Begabung hat, praktische Anwendungsprobleme mit passenden mathematischen Theorien zu lösen.

Für seine Arbeit erhielt Herr Dr. Strehler in diesem Jahr den Preis für die beste Dissertation der BTU. Mit der heutigen Verleihung des Max-Grünebaum-Preises an Herrn Dr. Strehler befinden wir uns im Übrigen in guter Gesellschaft: Wie Sie vielleicht in der Presse gelesen haben, wurde Herr Strehler vor einigen Tagen in Heidelberg mit dem Klaus-Tschira-Preis für verständliche Wissenschaften ausgezeichnet, einer hochangesehenen Auszeichnung, die jedes Jahr nur fünf Promovierte in Deutschland und davon höchstens ein Mathematiker bekommen.

Und in diesem Jahr war Herr Dr. Strehler maßgeblich daran beteiligt, dass ein DFG-Projekt, ein BMBF-Projekt und ein AiF-Projekt mit einer Fördersumme von insgesamt über einer halben Million Euro in der Mathematik eingeworben wurden. Er selbst arbeitet auch schon wieder an einem neuen Forschungsthema: der routenbasierten Optimierung von Hybridfahrzeugen.

An der BTU Cottbus-Senftenberg forschen hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler viel und erfolgreich. Mit so exzellenten Nachwuchs-Wissenschaftlern wie Martin Strehler können und werden wir die Forschung in der vollen Breite und Exzellenz weiter ausbauen und eine sehr gute Ausbildung der Studierenden weiter ermöglichen, mit interdisziplinärer Orientierung.

Die Max-Grünebaum-Stiftung trägt zu dem hervorragenden Nachwuchs der BTU bei, indem sie seit dem Jahr 2000 jährlich exzellente junge Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler dieser Universität  auszeichnet und dadurch in ihrer weiteren wissenschaftlichen Entwicklung fördert. Dafür möchte ich der Max-Grünebaum-Stiftung und den Stifter-Familien ganz herzlich danken.

Ich freue mich, dass Herr Dr. Martin Strehler für seine hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen seine Auszeichnung erhält.

Laudatio von Dr. Birger Hendriks (Gründungsbeauftragter der btu Cottbus-Senftenberg)

 

Alexander Vogelsang B Sc

Alexander Vogelsang

Alexander Vogelsang

Ernst-Frank-Förderpreis

(Sehr geehrte Stifter, sehr geehrter Herr Gumbel, dear Mr. Newman, dear Mr. Pickard, sehr geehrte Mitglieder des Vorstandes und des Kuratoriums der Max-Grünebaum-Stiftung, sehr verehrte Damen und Herren, sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger!)

Vor ziemlich genau zweiundzwanzig Jahren, also als einige unserer Preisträger gerade in die Schule gingen, kaufte ich mir ein neues Auto einer fernöstlichen Marke. Zwei Wochen nach Ablauf der Gewährleistungsfrist versagte ein für den Umweltschutz sehr wichtiges, aber damals auch sehr teures Teil, die sogenannte Lambda-Sonde. Also begab ich mich mit einer nicht zu übersehenden Enttäuschung in das Autohaus und brachte dort meinen Ärger zum Ausdruck.

Zu meinem allergrößten Erstaunen erklärte der Mitarbeiter, das wäre doch alles kein Problem, ich bekomme dieses Teil sofort kostenlos ersetzt, entschuldigte sich noch dazu und erläuterte, dass das ja schließlich der achte (8.) Ausfall dieser Art in Deutschland sei und man daher kulant sei.

Der achte Ausfall dieser Art in Deutschland? Habe ich da drei oder vier Nullen überhört? Die Erklärung kam dann auch prompt: Man führt hier nicht nur eine Statistik, sondern macht auch eine Trendanalyse, die sehr zeitig, noch bevor die statistische Sicherheit nachgewiesen ist, auf Fehler hinweisen kann. Wir würden einfach dazu sagen: Hier arbeitete man nach dem Slogan: Wehret den Anfängen!

Lassen Sie mich  das Positive dieser Story hervorheben und den Spruch in „Erkennet die Anfänge“ umwandeln, wobei die Methoden identisch sind.

Eine Universität lebt nicht alleine von der Statistik, d.h., wie viele Studierende immatrikuliert sind, sondern vor allem auch von der Qualität ihrer Absolventen. Unter den Bedingungen eines modernen, weitgehend individualisierten Studiums mit mehreren Abschlüssen, kurzen Studienzeiten und deutlich reduziertem Kontakt zwischen Lehrkörper und Studierenden ist es jedoch gar nicht einfach, die besonders leistungsfähigen und talentierten Studierenden zu finden, die uns häufig leider nur noch über ihre Notenstatistik und ihre Immatrikulationsnummer bekannt sind. Wir müssen daher rechtzeitig erkennen, wo die Stärken und die Schwächen liegen, um darauf reagieren zu können. Dabei gehört es zu den für einen Hochschullehrer glücklichen Ereignissen, einen Studierenden zu erkennen, der nicht nur über eine überdurchschnittliche Intelligenz verfügt, sondern sich darüber hinaus in seiner bisherigen Ausbildung ausreichend viele wissenschaftliche Grundlagen aneignen konnte, eine recht klare Vorstellung von seinen Zielen hat und sich erfolgreich gegen den Sozialdruck der  medialen Ablenkungen wehren konnte.

Der Preisträger des Ernst-Frank-Förderpreises, Herr Alexander Vogelsang, hat also noch nicht, wie man es bei Preisverleihungen erwarten könnte, bereits großartige wissenschaftliche, künstlerische und technische Leistungen vollbracht, sondern wurde deshalb vorgeschlagen, weil wir in ihm einen jungen und hoffnungsvollen Mann sehen, der sich durch sehr gute Leistungen, eine klare Zielstellung, große  persönliche Motivation und jenen „Drive“ auszeichnet, die uns die Hoffnung geben, bald diese großen Leistungen zu sehen. Der Ernst-Franke-Förderpreis zur Förderung eins Studienaufenthalten in England soll ihm ermöglichen, seine Träume wahrzumachen, dabei Kultur, Wissenschaft, Land und Leute kennenlernen und auch Kunde von Cottbus und der Lausitz in die Welt zutragen.

Ich möchte Ihnen Herrn Alexander Vogelsang kurz vorstellen:

Herr Vogelsang studiert seit dem Sommersemester 2012 an der Fakultät Umweltwissenschaften und Verfahrenstechnik der BTU Cottbus-Senftenberg im Master-Studiengang „Energieträger aus Biomasse und Abfällen“, den ich eine Weile betreute. Er wurde im Oktober 1987 in Cloppenburg geboren und besuchte nach der katholischen Grundschule St. Marien das Albertus-Magnus-Gymnasium in Friesoythe, Niedersachsen.

Sein Interesse für die Umwelt, für neue energetische und nachhaltige Lösungen zeigte er durch verschiedene Praktika in Unternehmen der Bioenergiebranche und der Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen.

Nach dem Grundwehrdienst in Goslar und Delmenhorst erwarb er seinen Bachelor-Abschluss an der Fachhochschule Hannover im Studiengang „Technologie nachwachsender Rohstoffe“ und hat sich anschließend konsequenterweise in den bereits erwähnten Master-Studiengang „Energieträger aus Biomasse und Abfällen“ an der BTU Cottbus beworben. Mit seinen Vorkenntnissen aus den Praktika fiel Herr Vogelsang natürlich im Studium auf, da er die fachlichen Diskussionen durch sein fundiertes und praxisnahes Wissen bereichern konnte. Er gehört zu den besten Studierenden seines Jahrgangs und ist, so glaube ich, eine jener „Entdeckungen“, die dem Slogan „Erkennet die Anfänge“  entsprechen. Ich habe auch bereits den Entwurf seiner Master-Arbeit vorliegen und kann die Kontinuität seiner Leistungen nur bestätigen.

Wer jedoch nun einen jungen Mann erwartet, der sich ausschließlich dem Studium widmet und die Welt um ihn vergisst, den muss ich enttäuschen: Herr Vogelsang spielt aktiv Saxophon in einer Band, liebt den Paartanz, schwimmt aktiv und ist außerdem Jugendgruppenleiter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft in seinem Heimatort Friesoythe. Des Weiteren hat er sich sehr solide Englischkenntnisse angeeignet, die auch eine Gewähr dafür sind, dass sein Zusatzstudium an der Sheffield-Hallam-University erfolgreich sein wird und er die bereits bestehenden guten Beziehungen zur dieser Universität pflegen hilft.

Die Vergabe eines Förderpreises an einen jungen, hoffnungsvollen Menschen, mit dem eine weiterführendes und Horizont erweiterndes Studium im Ausland finanziert werden kann, ist für mich als Hochschullehrer bei allem Stolz nicht nur ein Anlass zur Freude. Solch ein Studium im Ausland heißt leider immer auch, dass der Studierende erst einmal geht und ein potenzieller Leistungsträger, ein Kandidat für den wissenschaftlichen Nachwuchs, unsere Universität verlässt. So schön das für den Kandidaten und vielleicht auch für die Welt ist, so stimmt es doch nachdenklich, ob und wie unsere Uni, unsere Stadt und die Lausitz so attraktiv entwickelt werden können, dass diese Studierenden und Absolventen als zukünftige Wissenschaftler, Ingenieure oder in anderen Berufen wieder zu uns zurückfinden. Ich wünsche mir deshalb von den Verantwortlichen und alle Beteiligten des Umgestaltungsprozesses der Hochschullandschaft in der Lausitz, rasch eine gute und tragfähige Lösung zu finden, die Wissenschaftler zu uns zieht und Absolventen ermöglicht, zumindest einen Teil ihrer wissenschaftlichen Leistungen hier bei uns zu erbringen.

Abschließend möchte ich mit sehr herzlich beim Kuratorium der Max-Grünebaum-Stiftung für die Wahl des Kandidaten Herrn Alexander Vogelsang als Preisträger des Ernst-Frank-Förderpeise bedanken, und selbstverständlich und besonders bei der Stifterfamilie, die den Preis zur Verfügung stellt. Es war sicher eine gute Wahl.

Herzlichen Glückwunsch an Sie, Herr Vogelsang!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Laudatio Prof. Dr. Günter Busch (Lehrstuhl Abfallwirtschaft)