Gesine Forberger und Karl M. Newman bei der ersten Max-Grünebaum-Preisverleihung 1997 Foto: Marlies Kross

Gesine Forberger und
Karl M. Newman

Foto: Marlies Kross

Die Gründung der Max Grünebaum-Stiftung

„Cherish the past, adorn the present, create for the future.“

(Die Vergangenheit achten, der Gegenwart Glanz verleihen, für die Zukunft schaffen.)

Karl M. Newman

Max Grünebaum

Portrait Max Grünebaum

Portrait Max Grünebaum

Kommerzienrat Max Grünebaum (1851-1925) war nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer, sondern auch ein gesellschaftlich hochengagierter Bürger und Kunstmäzen. Seine Firma, die er 1876 gemeinsam mit seinem Schwager Julius Kaufmann in Cottbus gegründet hatte, stellte qualitativ hochwertige Kammgarnstoffe für Herrenanzüge her. Von 1889 bis 1919 war Max Grünebaum Stadtverordneter in Cottbus und widmete sich sowohl den sozialen Interessen seiner Arbeiter als auch der Cottbuser Bürger. Er finanzierte Fürsorgeanstalten und Erholungsheime für Kinder und war ein großzügiger Förderer des Cottbuser Theaters, dessen Bau er maßgeblich unterstützte.

Urkunde Ehrenbürgerschaft Max Grünebaum

Urkunde Ehrenbürgerschaft Max Grünebaum

1908 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Cottbus verliehen, ein Jahr später ernannte ihn der preußische König zum Kommerzienrat. Er war verheiratet mit Caroline Beer und hatte zwei Töchter. Licie, die jüngere war verheiratet mit Karl Neumann, der aus Meiningen stammte und Amtsrichter in Berlin war. Sie hatten zwei Kinder, Karl Max Newman und Ursula Hulme. Die ältere Tochter, Carla, heiratete 1920 den Sohn des Miteigentümers der Firma, Max Frank. Zu ihrer Familie gehörten neben dem 1944 gefallenen Sohn Günther Max die Zwillingstöchter Marion Frank und Ellen Gumbel.

 

 

 

Helmut Brannahl bei der Max-Grünebaum-Preisverleihung 2002

Helmut Brannahl bei der Max-Grünebaum-Preisverleihung 2002

Die Gründung der Max Grünebaum-Stiftung im Jahr 1997

Die Gründung der Max Grünebaum-Stiftung ist die Geschichte eines in unserer Zeit nicht für möglich gehaltenen Brückenschlags. Von den Nationalsozialisten vertrieben, gingen die Nachfahren Max Grünebaums in den dreißiger Jahren in die Emigration und wagten in England einen Neuanfang. Ihr Familienvermögen wurde enteignet. Als es nach der Wiedervereinigung endlich möglich wurde, Ansprüche auf Entschädigung für geraubtes Vermögen geltend zu machen, wurde die Familie von Rechtsanwalt Dr. Erich Köhler vertreten. Bei der Vermietung der ehemaligen Fabrikantenvilla Max Grünebaums begegnete Erich Köhler dem Präsidenten des Landgerichts Cottbus, Helmut Brannahl, der daraufhin die Geschichte des Hauses erkundete, Berichte im Stadtarchiv fand und auf dem jüdischen Friedhof in Cottbus das Grab Max Grünebaums entdeckte, wovon Dr. Köhler der Familie in London berichtete.

 

Bild 1: Familiengrab Grünebaum, Bild 2: Familiengrab Frank

Bild 1: Familiengrab Grünebaum, Bild 2: Familiengrab Frank

Die Idee einer Stiftung entstand auf Anregung von Karl M. Newman, Professor für Rechtswissenschaft und Träger des Bath Ordens, eines der höchsten englischen Orden, und langjähriger Rechtsberater der englischen Regierung für Europarecht. Sein Anliegen war es, dem Vermächtnis seines Großvaters entsprechend, einen Teil der Entschädigung für den verlorenen Besitz in der früheren Heimatstadt der Familie zukunftsweisend anzulegen. So wurde am 20. Mai 1997 von den Enkeln Karl M. Newman, Ursula Hulme, Ellen Gumbel und Marion Frank die Max Grünebaum-Stiftung errichtet.

Anliegen der Stiftung war es zunächst, die künstlerische Arbeit am Staatstheater Cottbus zu unterstützen und besonders herausragende junge Künstler zu fördern.

Karl M. Newman 1997 bei der ersten Max-Grünebaum-Preisverleihung.

Karl M. Newman 1997 bei der ersten Max-Grünebaum-Preisverleihung.

Aus den Erträgen der Stiftung wurde der mit DM 10.000 dotierte Max-Grünebaum-Preis finanziert, der erstmalig am 12. Oktober 1997 an zwei herausragende Nachwuchskünstler des Staatstheaters verliehen wurde.

Weiterentwicklung 1999-2017

1999 erlebte die Stiftung einen entscheidenden Aufschwung. Auf Anregung von Karl M. Newman wurde das Stiftungskapital auf DM 2.200.000 erhöht. Der Stiftungszweck erfuhr eine bedeutende Erweiterung: Seither wird neben dem Staatstheater Cottbus auch die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg gefördert.

Am 1. Oktober 2000 wurden erstmalig drei Projekte der Brandenburgischen Technischen Universität mit dem Max-Grünebaum-Preis ausgezeichnet.

Die Zustiftung der beachtlichen Summe von DM 1.900 000 eröffnete die Möglichkeit, weitere kulturelle und wissenschaftliche Zwecke zu fördern.

Im Jahr 2000 vergab die Brandenburgische Technische Universität Cottbus zum ersten Mal seit ihrem Bestehen die Ehrenmitgliedschaft der Universität an Karl M. Newman C.B. und Ursula Hulme. 2001 wurden beide zu Ehrenmitgliedern des Staatstheaters Cottbus ernannt. Karl M. Newman verstarb 2001. Im Gedenken an ihn wurde der Karl-Newman-Förderpreis ins Leben gerufen, parallel der Ernst-Frank-Förderpreis für besondere Leistungen an der Brandenburgischen Technischen Universität.

Bild 1: Lichtinstallation „100 Jahre Sternenhimmel“, Bild 2: Leuchtende Musen-Figur

Bild 1: Lichtinstallation „100 Jahre Sternenhimmel“, Bild 2: Leuchtende Musen-Figur

Die Max Grünebaum-Stiftung finanzierte zum 100. Geburtstag des Staatstheaters Cottbus die Lichtinstallation „100 Jahre Sternenhimmel“ im Schillerplatz, die von Studierenden der Fachbereiche Architektur und Stadttechnik gemeinsam mit dem Staatstheater realisiert wurde und während der gesamten Jubiläumsspielzeit 2008/2009 mit Sternenzelt, leuchtenden Musen-Figuren und Sternbildern auf das Ereignis am Schillerplatz aufmerksam machte.

marprojektZum zwanzigjährigen Jubiläum der Brandenburgischen-Technischen Universität Cottbus ermöglichte sie die Vorhaben „Mauerprojekt“ und das Projekt „Kulinarische Meile / Festtafel“, die beide in der Festwoche vom 13.- bis 16. Juni 2011 realisiert wurden.

Als das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus 2012 seinen 100. Geburtstag feierte, unterstützte die Max Grünebaum-Stiftung die Produktion einer Jubiläumsbox mit Aufnahmen des Philharmonischen Orchesters von den zahlreichen Uraufführungen der letzten drei Jahre, aber auch mit Aufnahmen aus älterer Vergangenheit sowie mit einem Abriss über die hundertjährige Geschichte des Orchesters.

2010 stellt Ursula Hulme, Enkelin Max Grünebaums und Trägerin des britischen Ritterordens, ihre Autobiografie „Schätze Deine Segnungen“ im Stadthaus der Stadt Cottbus vor.

Bild 1: Ursula Hulme – Präsentation ihrer Autobiographie „Schätze Deine Segnungen“, Bild 2: 2010 Eintragung in die Ehrenchronik der Stadt Cottbus, 2010

Bild 1: Ursula Hulme – Präsentation ihrer Autobiographie „Schätze Deine Segnungen“, Bild 2: 2010 Eintragung in die Ehrenchronik der Stadt Cottbus, 2010

Anschließend trug sie sich in die Ehrenchronik der Stadt Cottbus ein. Die Stadt würdigte sie „für die Förderung von künstlerischen und wissenschaftlichen Nachwuchskräften am Staatstheater Cottbus und an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus sowie für den Ausbau der vorhandenen guten Beziehungen zwischen Cottbus und England“.

Nachfolgend wurden mit Aubrey Newman und Dr. John Gumbel weitere Mitglieder der Familie von Max Grünebaum mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Cottbus geehrt – auch sie als „Hüter und Bewahrer der Stiftung und des Stiftungsgedankens im Sinne des jüdischen Cottbuser Tuchfabrikanten und wegen seines sozialen Engagements hochgeachteten Ehrenbürgers der Stadt Cottbus“. Ursula Hulme starb 2012, ihre Cousinen Ellen Gumbel und Marion Frank waren zuvor 2009 und 2011 verstorben.

Aubrey Newman (links, 2010) und Dr. John Gumbel (rechts, 2011) - Eintragung in die Ehrenchronik der Stadt Cottbus

Aubrey Newman (links, 2010) und Dr. John Gumbel (rechts, 2011) – Eintragung in die Ehrenchronik der Stadt Cottbus

Zum Ende des Jahres 2016 schied der langjährige Vorstandsvorsitzende, Prof. Dr. Claus Lambrecht, der dieses Ehrenamt seit 2007 bekleidete, auf eigenen Wunsch aus. Er erhielt für seine Verdienste um die Förderung von Nachwuchskünstlern des Staatstheaters Cottbus, für die er als langjähriger Vorstandsvorsitzender der Max Grünebaum-Stiftung Sorge trug, die Ehrenmitgliedschaft des Staatstheaters Cottbus verliehen. Das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernahm Prof. Dr. Thomas Stapperfend (Präsident des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg).

Dr. Martin Roeder, Martin Schüler, Prof. Dr. Claus Lambrecht, Dr. Martina Münch (v.l..n.r.)

Prof. Dr. Claus Lambrecht wird Ehrenmitglied des Staatstheaters Cottbus.                                                                                                       Dr. Martin Roeder, Martin Schüler, Prof. Dr. Claus Lambrecht,
Dr. Martina Münch (v.l.n.r.)

 

Seit ihrer Gründung hat sich die Max Grünebaum-Stiftung zu einer internationalen bürgerschaftlichen Institution entwickelt, die Brücken schlägt zwischen Cottbus und London, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen den jüngeren und den älteren Generationen und mit der Förderung junger Künstler und junger Wissenschaftler einen Beitrag leistet zur Stärkung der Zivilgesellschaft in unserem Land. Die hohe Wertschätzung, die die Max Grünebaum-Stiftung weit über die Landesgrenzen hinaus genießt, wurde von Bundespräsident Horst Köhler in seiner Ansprache beim Festakt zum 100. Geburtstag des Staatstheaters ausführlich gewürdigt.

Die Urenkel Max Grünebaums tragen das Vermächtnis ihres Großvaters weiter. Ellen Gumbels Söhne, Dr. John Gumbel aus London und Peter Gumbel aus Paris , sowie die Kinder von Karl M. Newman, Karoline Newman und Aubrey Newman, die ebenfalls in London beheimatet sind, wirken als Laudatoren bei den Preisverleihungen mit und sind abwechselnd Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung.

Die Preise

 Max-Grünebaum-Preis

 Mit dem Max-Grünebaum Preis können Künstler des Staatstheaters für herausragende künstlerische Leistungen sowie Studierende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus für herausragende Studienarbeiten, Projekte, Diplom/ Doktorarbeiten ausgezeichnet werden. Das Preisgeld beträgt 5.000 Euro.

Karl-Newman-Förderpreis

Im Gedenken an Karl M. Newman, Enkel von Max Grünebaum und Mitbegründer der Max Grünebaum-Stiftung, der 2001 im Alter von 81 Jahren verstorben ist, wurde der Karl-Newman-Förderpreis ins Leben gerufen. Die Auszeichnung können Beschäftigte des Staatstheaters erhalten, die durch ihre hervorragende Arbeit maßgeblich zum Erfolg des Theaters beitragen. Der Preis ist eine Studienreise nach London und soll gleichzeitig auch Anregungen für die weitere Arbeit geben. Das Preisgeld beträgt 3.500 Euro.

 

Ernst-Frank-Förderpreis

Namensgeber des Ernst-Frank-Förderpreises ist der Mitinhaber der Tuchfabriken und Schwiegersohn Max Grünebaums. Ausgezeichnet werden können Studierende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, die durch außergewöhnlich gute Studienleistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Der Ernst-Frank-Förderpreis ist ein Stipendium in Großbritannien. Das Preisgeld beträgt 3.500 Euro.