Oliver Bäßler und Gesine Forberger inmitten der Theaterliga Gymnasium Cottbus

Preisträger 1997

Im Rahmen einer festlichen Matinee wurde am Sonntag, dem 12. Oktober 1997, im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus erstmals der mit jeweils 10.000 DM dotierte Max-Grünebaum-Preis an zwei junge Künstler des Ensembles verliehen.

Oliver Bäßler - Schauspieler

Oliver Bäßler – Schauspieler

Oliver Bäßler

Max-Grünebaum-Preis

Eigentlich wollte er Clown werden. Familienbedingt zog er in den Schulferien mit den großen Zirkussen Berolina und Aeros durch die Lande.

Der Geruch der Manege, die Masken, die Kostüme faszinierten ihn. Aber für die Aufnahme in die Artistenschule reichte die körperliche Konstitution nicht aus. Also wurde er Maurer – und gleichzeitig Kleindarsteller am Deutschen Theater in Berlin. Hier war er wieder: der vertraute Manegengeruch, zumindest so ähnlich, wie auch die familiäre Art des Zusammenarbeitens und -lebens. Bei der ersten Bewerbung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ fiel er durch, die zweite bestand er. 1989 beendete er das Studium und ging ins Engagement nach Schwerin.

1993 stand er in schwarzer Maske, als Othello, das erste Mal auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus. Dieser Othello war von ebensolcher unverstellten Vitalität und Leidenschaft wie äußersten Verletzlichkeit. Seitdem hat Oliver Bäßler mit außergewöhnlichen schauspielerischen Leistungen das künstlerische Niveau vieler Schauspiel-Inszenierungen am Staatstheater Cottbus maßgeblich geprägt.

Karl Moor, Ole Bienkopp, Herr Edek, Herr Achtsam, Petrucchio, Dorine Blaker, Knieriem, Kjeld … Er spielte Helden, Gauner, Clowns, Volkstheaterfiguren und Travestie. Jeder Rolle gab er ein ganz besonderes, unverwechselbares, häufig überraschendes, aber immer von überzeugender Wahrhaftigkeit geprägtes Gesicht. Ob klassische oder moderne, tragische oder komische, große oder kleinste Rollen – hinter allen extrem unterschiedlichen Masken steht ein Schauspieler, mit einer ungewöhnlichen Wandlungsfähigkeit, mit einem schier unerschöpflichen Reichtum an Phantasie, handwerklichen Mitteln und einer großen Liebe zum Theater. Es ist eine Liebe, in der Demut vor der Aufgabe, Achtung vor den Kollegen, Spaß und Ernsthaftigkeit in der Arbeit und die Suche nach dem Wahrhaftigen überzeugend gepaart sind und ausstrahlen auf das Ensemble der Schauspieler.

Das Kuratorium der Max Grünebaum-Stiftung verleiht den Max-Grünebaum-Preis 1997 an Oliver Bäßler.

Gesine Forberger - Sängerin

Gesine Forberger – Sängerin

Gesine Forberger

Max-Grünebaum-Preis

Nicht ganz uneigennützig weist ihr der Graf Almaviva ein Zimmer in seiner Nähe zu, um am Vorabend ihrer Hochzeit das Recht der ersten Nacht wieder einzuführen… Und Susanna muß ihrem dienstbeflissenen Figaro erst die Augen öffnen und klären, daß mit dem erotischen Anspruch des Landesvaters permanent zu rechnen ist.

Gesine Forberger gestaltet die Kammerzofe Susanna als ein junges Mädchen, das genau weiß, was es will, das mit großer Liebe zu Figaro die Geschicke ihrer Hochzeit diplomatisch selbst in die Hand nimmt. Dabei muß Susanna darauf achten, den Grafen auf Distanz zu halten, ihn andererseits aber auch nicht restlos zu verärgern. Sie muß Figaro die Augen öffnen, ihn gleichzeitig jedoch in seinen unüberlegten Handlungen bremsen. Es macht Spaß zu beobachten, wie Gesine Forberger dieses höchst vielfältige Motivationsgefüge der Figur spielerisch umsetzt. Die Kritikerin einer überregionalen Zeitung formulierte ihren Gesamteindruck von dieser Inszenierung:

„Jubel für alle, doch eine seit der Pamina stimmlich noch gereifte Gesine Forberger setzte diesem Figaro die Krone auf.“

Eine Sängerdarstellerin, die mit wunderbar klarer, nuancenreicher und sinnlicher Stimme Figuren charakterisiert und sie mit großer Intelligenz, Prägnanz und Wahrhaftigkeit szenisch gestaltet.

Gesine Forberger, seit Spielzeit 1994/95 Mitglied des Sängerensembles des Staatstheaters Cottbus, begann ihr Engagement mit der Pamina (Mozarts „Zauberflöte“) und interpretierte unter anderem die Bastienne (in Mozarts Singspiel „Bastien und‘ Bastienne“), die Anastasia („Csardasfürstin“), das Ännchen (in Webers „Freischütz“), die beiden Euridyken (in Glucks heroischer Oper und in Offenbachs Opera buffa) Prinzessin Schlafittchen (im „Traumfresserchen“) und die Susanna (in Mozarts Komischer Oper „Die Hochzeit des Figaro“). Gestern abend erst stand sie bei der Premiere von Beethovens „Fidelio“ als Marzelline auf dieser Bühne.

Von Anfang an war Gesine Forberger außerdem als Solistin in Konzerten und Kammerkonzerten gefragt, nicht zuletzt im Bereich der älteren Musik. Denn sie weiß ihre lyrische Stimme so einzusetzen, daß sie den Forderungen der historischen Aufführungspraxis hervorragend gerecht wird.

In den drei Jahren am Staatstheater Cottbus hat Gesine Forberger mit großer Ernsthaftigkeit und Phantasie sehr unterschiedliche Partien des Repertoires erarbeitet und dabei immer wieder ihr vielfältiges Talent unter Beweis gestellt. Mit jeder Aufgabe entwickelte sie sich weiter und erschloß sich neue Facetten der stimmlichen und szenischen Interpretation.

So sehr Gesine Forberger mit ihrer Persönlichkeit auf der Bühne zu einer künstlerisch geschlossenen Gesamtleistung maßgeblich beiträgt, so ensemblebildend ist auch ihr freundliches, kooperatives Auftreten im Probenalltag.

Das Kuratorium der Max Grünebaum-Stiftung verleiht den Max-Grünebaum-Preis 1997 an Gesine Forberger.

Theaterliga Gymnasium Cottbus

Sonderpreis

„Wir haben alles wohl anders geträumt mit unsern Büchern hinter der Mauer unseres Gartens, zwischen unsern Myrten und Oleandern.  Die Welt ist schön und so weit!  Ich möchte immer so fort gehen, Tag und Nacht.  Ein roter Blumenschein spielt über die Wiesen, und die fernen Berge liegen auf der Erde wie ruhende Wolken. Die Pflanzen legen ihre Fiederblättchen zum Schlaf zusammen, und die Sonnenstrahlen wiegen sich an den Grashalmen wie müde Libellen.“

Elf Mal erklangen die ‚Worte Büchners aus „Leonce und Lena“ in diesem Sommer in der abendlichen Gartenkulisse der Theaterscheune Ströbitz – jedes Mal vor ausverkauftem Haus!  Es war die bereits vierte Inszenierung der „Theaterliga Cottbus“. Begonnen hatte alles 1994, als Schüler des Gymnasiums Cottbus Land sich zusammenfanden, um einen Traum Realität werden zu lassen, den Traum vom Theater-Spielen. Von Anfang an gingen sie aufs Ganze. Nach dem Motto „Theater ist die lebendige Form der Selbsterkenntnis des Menschen“ traten sie das erste Mal mit Dürrenmatts „Die Physiker“, an die Öffentlichkeit. Das war 1995. Ein Jahr später folgte „Der eingebildete Kranke“ von Molière, mit 21 Vorstellungen, zu denen 2 500 Zuschauer kamen.  Dieses Jahr waren es gleich zwei Inszenierungen, die die Gymnasiasten mit großer Spiellust, Intelligenz und Phantasie auf die Bühne brachten: Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ und Büchners geniales Lustspiel „Leonce und Lena“.

Das Engagement aller Beteiligten, ob auf oder hinter der Bühne, die Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung mit dem Stoff, die Suche nach der treffenden Form der spielerischen Umsetzung verleihen der Theaterliga eine große Ausstrahlung.  Hier sendet eine junge, nichtprofessionelle Truppe Impulse aus für e i n e Form der kreativen Auseinandersetzung mit Welt und bricht eine Lanze für die Unentbehrlichkeit des Theaters. Das verdient Auszeichnung und Nachahmung.

Der Vorstand der Bayerischen Vereinsbank verleiht den Förderpreis 1997 an die „Theaterliga“ des Gymnasiums Cottbus-Land.