Petra Panzram, Bianca Noack, Alexandros Yfantis, Hardy Brachmann, Helena Muda, Dirk Glodde, Prof. Leo Schmidt, Gabriela Schulz

Petra Panzram, Bianca Noack, Alexandros Yfantis, Hardy Brachmann, Prof. Helena Muda, Dirk Glodde, Prof. Leo Schmidt, Gabriela Schulz

Foto: Michael Helbig

Preisträger 2000

Die Max Grünebaum-Stiftung würdigte am 1. Oktober 2000 in Cottbus Künstler des Staatstheaters Cottbus mit zwei Max-Grünebaum-Preisen und einem Förderpreis und erstmalig auch Wissenschaftler der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus.

Hardy Brachmann – Gesang, Foto: Michael Helbig

Hardy Brachmann – Sänger

Hardy Brachmann

Max-Grünebaum-Preis

 

Seit 1995 im Ensemble des Musiktheaters, hat sich Hardy Brachmann ganz schnell an die Spitze der Leistungsträger gearbeitet.

Partien:

Willi, der Prokurist (Mahagonny ) 1995, Boni (Czardasfürstin) 1995, Das Traumfresserchen (gleichnamige Kinderoper) 1996, Jaquino (Fidelio) 1997, Steuermann (Fliegender Holländer) 1997, Tenor (Riemann-Oper) 2000, Pedrillo (Entführung aus dem Serail) 1999, Iwan (Zarewitsch) 1998, Action (West Side Story) 1997, Remendado (Carmen) 2000, Kasper (Märchen vom Popen und seinem Knecht Balda ) 1999, Alceste (Calandro)  2000 (WA), Don Basilio (Hochzeit des Figaro) 1997, Harry (Lucky Stiff) 1999, Merkur (Orpheus in der Unterwelt) 1997, Gaston (La Traviata) 1996.

Außerdem vielseitige Mitwirkung bei Theaterfesten (,,Prinzen“, ,,Frank Schöbe!“) , Spielplanpräsentationen und Festen für  Kinder.

Hardy Brachmann verfügt über eine junge, frische Ausstrahlung, die ihn in vielen Partien zum Publikumsliebling werden  ließ. Die schöne, schlanke Stimme läßt einen großen Einsatz zu, das Fach des Buffo-Tenors ist fließend bis zum lyrischen Tenor. Daher auch beeindruckend seine Gestaltung des Evangelisten in der “Johannes- Passion” (Konzert mit dem Bach-Collegium) und in vielen Konzerten.

Hervorhebenswert ist sein szenisches Repertoire und spielerisches Handwerk, welches weit über das sonst übliche Niveau eines Sängers hinausgeht.

Hardy Brachmann gehört zu den jungen Sängern, die sich durch hohe Disziplin     und Zuverlässigkeit zum Vorbild und Motor im Ensemble entwickeln konnten, nach  denen man auch einen Spielplan gestaltet.

Seinen größten Erfolg konnte Hardy Brachmann als Boni in der „Czardasfürstin“ feiern. Akrobatisch, komisch, äußerst musikalisch, hatte er in jeder Vorstellung wahre Bravo-Chöre des Publikums sicher. Aber auch in den beiden Kinderopern „Das Traumfresserchen“ und „Knecht Balda“ avancierte er zur Identifikationsfigur   der Kinder.

Ich halte aus genannten Gründen Hardy Brachmann für unbedingt auszeichnungswürdig und empfehle ihn für den „ Max-Grünebaum-Preis“ 2000.

Dirk Glodde

Max-Grünebaum-Preis

Dirk Glodde – Schauspiel, Foto: Michael Helbig

Dirk Glodde – Schauspieler

Seit der Spielzeit 1993194 prägt Dirk Glodde mit seinen Leistungen auf besondere Weise das Gesicht des Schauspielensembles des Staatstheaters Cottbus. Auf allen Spielstätten präsent, von der Antike, über die deutschen Klassiker bis hin zum Schlagerprogramm, von der Tragödie zur Farce, vom Hohen zum Profanen und zurück, erspielte Glodde in den zurückliegenden Jahren ein äußerst breitgefächertes Repertoire mit Bravour und entwickelte sich weiter zu einer unverwechselbaren Schauspielerpersönlichkeit.

Ob als Franz Moor in den ,,Räubern“, Hjalmar Ekdal in lbsens ,,Wildente“, Mephisto im ,,Urfaust“, Hamlet, Greta in ‚Jorge Diaz‘ ,,Exzess“, Fußballstar in ,,Lothar rennt“ oder als Fiesco (um nur einige wenige Rollen der zurückliegenden Jahre zu nennen), ob in großen oder kleinsten Rollen, Glodde besticht durch sein schauspielerisches Können, wie durch seine enorme Bühnenpräsenz. Fast traumwandlerisch sicher führt er seine Figuren zwischen hohem Witz und abgründiger Tragik, doch immer mit einer großen geistigen Klarheit als seinen besonderen Stil.

Glodde ist, bei aller Artistik und Beweglichkeit, ein leiser, wacher Beobachter, der sich seiner Figuren annimmt, sie durchdringt, um ihnen mit der eigenen Persönlichkeit etwas Unverwechselbares einzuhauchen. Glodde ist ein Suchender, ein Poet der Bühne, mit allen handwerklichen Mitteln und einem sicheren Talent ausgestattet und dennoch in der Lage, sich produktiv zu verunsichern. Er gibt sich und seine Figuren nicht schnell und vordergründig preis,
sondern zeigt Schicht für Schicht die Gründe und Abgründe seiner Bühnengestalten auf und verlebendigt, vergegenwärtigt sie somit auf außergewöhnliche Weise. Gloddes scharfer Intellekt, seine poetische Kraft und sein Einsatzwillen zeichneten ihn viele Jahre, über die Existenz des Bühnenschauspielers hinaus, als einen gewichtigen Faktor in der Entwicklung des Schauspielensembles aus.

Jede der zurückliegenden Spielzeiten hatte zumindest einen schauspielerischen ,,Glodde-Highlight“ zu bieten. Und obgleich er ab der kommenden Spielzeit nicht mehr Mitglied des Cottbuser Ensembles sein wird, hinterlässt er eine sichtbare und nachwirkende Spur im Theater, im Ensemble, im Cottbuser Publikum.

Christoph Schroth Intendant

Gabriela Schulz – Sonderpreis, Foto: Michael Helbig

Gabriela Schulz – Pressereferentin

Gabriela Schulz

Sonderpreis der Max-Grünebaum-Stiftung

Wenn am Abend im Intendanzgebäude die Lichter ausgehen, ist ein Fenster noch hell erleuchtet – im Kreml brennt noch Licht. Eine junge Frau feilt an Texten, arbeitet sich durch einen Berg von Zeitungen, sortiert Artikel zur Verteilung im Haus, plant die nächsten Kontakte mit Journalisten und Kritikern, ordnet das am Tage entstandene Chaos auf dem Schreibtisch -der Computer faxt währenddessen Pressemitteilungen in die ganze Welt.

Die Rede ist von Gabriela Schulz – Pressereferentin am Staatstheater Cottbus. Gabriela Schulz begann nach ihrem Studium der Germanistik in Jena und einem kurzen Intermezzo in der Stadt- und Bezirksbibliothek Cottbus im März 1989 als Dramaturgin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am damaligen Theater der Stadt Cottbus. Unzufrieden mit ihrer Situation in der Bibliothek ließ sie sich durch die Musikdramaturgin Dr. Carola Böhnisch, der sie bei Recherchen für Material zu einem
Programmheft wertvolle Hilfe geleistet hatte, bei einem konspirativen Gespräch hinter dem Bücherregal dafür gewinnen. Bis dato kannte sie genau drei Produktionen dieses Theaters – Die
Dreigroschenoper, Frau Luna und Die Schneekönigin. Sie wagte es und gewann –
und dieses Theater mit ihr.

Der Kritiker Hartmut Krug schreibt: „Sie heißen Pressedramaturg, Öffentlichkeitsarbeiter oder Marketingleiter, doch für den Theaterkritiker sind sie vor allem eine Art Türsteher, die ihn ins Theater locken wollen. Es gibt viele intellektuelle Marktschreier unter ihnen, aber auch manche vom Theater beseelte Kunstpropheten. Gabriela Schulz dagegen gehört zu einer raren Spezies: Sie ist zugleich eine ehrliche Theaterbegeisterte wie eine ehrliche „Verkäuferin“. Jeder Kontakt mit ihr vermittelt viel vom kommunikativen und emanzipatorischen Anspruch des Theaters. Gabriela Schulz vermag für ihr Theater mit Überzeugung zu begeistern. Dabei betreibt sie ihre Arbeit gleichermaßen mit sensibler Genauigkeit wie mit zurückhaltender Aufdringlichkeit. Gabriela Schulz stellt Produkte und Produzenten vor und zur Verfügung, ohne sich dabei selbst zu produzieren. Es macht einfach Spaß, sich von ihr beraten und überreden zu lassen. Bei meinen jahrelangen Arbeitskontakten mit dieser Sirene des Cottbuser Theaters konnte ich kaum je widerstehen: Sie hat mich immer wieder in ihr Haus gelockt. Die Kunst des Theaters: Sie ist bei Gabriela Schulz in den besten Händen.“

Den diesjährigen Sonderpreis der Max-Grünebaum-Stiftung – eine Studienreise nach
London für zwei Personen – erhält Gabriela Schulz.

JUKS e.V.

Förderpreis der Max Grünebaum-Stiftung

An die Pinnwand „Große Klappe“ hefteten die „Jazzy Dancers“ einen Zettel mit der Bemerkung: „Tolle Leute – Super Organisation – prima Atmosphäre – wir kommen wieder!“. Auf einem weiteren Zettel stand: „JUKS ist cool!“ Der 21jährige Daniel schrieb: „Ich bin so froh, hier gewesen zu sein. Cottbus wird langsam ein lebenswerter Ort, dank Euch. Ich möchte mich bei Euch bedanken. DANKE.“

Dies alles galt einer Veranstaltung, die in diesem Jahr zum nunmehr vierten Mal vom Verein Jugend und Kinder der Stadt – dem JUKS e.V. – und dem Staatstheater Cottbus als gemeinsames Projekt ins Leben gerufen wurde: den Cottbuser Schüler-(Klein)-Kunst-Tagen.
Diese Tage erweisen sich in jedem Jahr von neuem als ein großer Magnet für kreative junge Leute aus der Stadt Cottbus und der Region. In den Sparten Theater, Tanz und Musik präsentieren Jugendliche ihre künstlerischen Versuche der Öffentlichkeit, artikulieren leise oder laut, manchmal schreiend, komisch oder poetisch ihre Sehnsüchte, Fragen, ihre Wut und Probleme, ihre Hilflosigkeit und Träume.

Die dreitägige Veranstaltung umfasst ein vielfältiges, buntes Spektrum von Aufführungen, das im Theaterbereich vom selbst geschriebenen Stück bis zur frechen Klassikeradaption reicht, das Kabarettistische Szenen, Tanzbeiträge von Jazz über Folklore bis Break Dance sowie die Musik von Bands verschiedenster Stilrichtungen ebenso einschließt. Für die meisten Jugendlichen ist dies zugleich eine aufregende Premiere: In der Kammerbühne des Staatstheaters stehen sie mit ihrer eigenen Band oder Theatergruppe, ihrer Klasse des Darstellenden Spiels oder ihrer Tanzformation zum ersten Mal auf den Theaterbrettern. Die vielen teilnehmenden Gruppen und ihre zumeist jugendlichen Zuschauer suchen die Begegnung, den Austausch und produktive Kritik. Dass zudem eine Jury aus Fachleuten Preisträger und Förderpreisträger für künstlerisch und inhaltlich besonders herausragende Leistungen nominiert, verleiht dem gesamten Vorhaben einen zusätzlichen Reiz.

Dieser Veranstaltungsmarathon wird nur möglich gemacht durch einen außergewöhnlich großen, engagierten Arbeits- und Zeiteinsatz der Mitarbeiter des JUKS e.V. sowie des Staatstheaters Cottbus: im Vorfeld müssen Sponsoren, auch für die dotierten Preise, gewonnen werden; es heißt die Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten für auswärtige Teilnehmer zu organisieren; vor allem ist der komplizierte organisatorische und technische Ablauf – vom Einlaß bis zur licht- und tontechnischen Einrichtung der Bühne – in hoher Qualität zu bewältigen.

Dies alles und viel mehr steht für die kommenden Cottbuser Schüler-(Klein)-Kunst- Tage vom
16. bis 18. Februar 2001 erneut auf dem Plan. Möge es dann zum 5. Mal gelingen, dieses Podium lebendiger Jugendkultur entstehen zu lassen und ein weiteres Stück dazu beizutragen, dass unsere Stadt zu einem „Lebenswerten Ort“ für junge Menschen wird. Den „Cottbuser Schüler-(Klein)-Kunst-Tagen“, dem gemeinsamen Projekt des JUKS e.V. und des Staatstheaters Cottbus, wird ein Förderpreis der Max Grünebaum-Stiftung verliehen.

 

Zu den Ausgezeichneten der Brandenburgischen Technischen Universität gehören der Physik-Doktorand Alexandros Yfantis sowie die Architekturprofessoren Helena Muda und Leo Schmidt.

„Mit dem Griechen Alexandros Yfantis, der aus Schweden stammenden Gastprofessorin Helena Muda und dem Deutschen Prof. Prof. Leo Schmidt standen drei junge Wissenschaftler der BTU auf der Bühne, die zugleich deren Internationalität repräsentierten.

Yfantis habe mit seiner Doktorarbeit einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung von Korrosionsschutzschichten für Aluminium- und Magnesium-Bleche geleistet. Eine Entwicklung, die besonders für die Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie Bedeutung hat.

Prof. Helena Muda und ihren Studenten sind Konzepte für den Umbau des alten Cottbuser Dieselkraftwerkes, das einmal die Brandenburgischen Kunstsammlungen beherbergen soll, zu danken.

Gemeinsam mit Architektur-Studenten arbeitet Prof. Leo Schmidt seit 1999 an der Erforschung der Baugeschichte des englischen Landsitzes Holkham Hall und förderte dabei verblüffende Ergebnisse zutage.“

Renate Marschall, Lausitzer Rundschau, 2. Oktober 2000