Dr Steffen Hill, Sebastian Lehrack, Wolfram Korr, Paul Grill

Dr. Steffen Hill, Sebastian Lehrack, Wolfram Korr, Paul Grill

Foto: Michael Helbig

Preisträger 2005

Die Max Grünebaum-Stiftung würdigte am 2. Oktober 2005, in Cottbus Künstler des Staatstheaters Cottbus mit einem Max-Grünebaum-Preis und einem Förderpreis. Einen Max-Grünebaum-Preis sowie einen Förderpreis erhielten Nachwuchswissenschaftler der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU Cottbus-Senftenberg).

Paul Grill – Schauspiel, Foto: Michael Helbig

Paul Grill – Schauspiel

Paul Grill

Max-Grünebaum-Preis

2002 fiel mir an der Leipziger Schauspielschule im Szenenstudium „Bitterer Honig“ ein junger Student auf, welcher die Rolle des Geoffrey spielte. Er spielte ihn mit
unglaublicher Intensität und Wahrhaftigkeit, dass ich mich bis heute daran erinnern kann. Andere lernen in den ersten zwei Jahren Schauspielstudium erst einmal atmen, sprechen und gehen. Dieser aber spielte, als hätte er nie etwas anderes getan.

Ein Jahr später, zum Sommertheater der Schauspielstudenten – immer noch in Leipzig – fiel mir erneut ein sehr begabter Student auf. Katja Paryla inszenierte Andreas Gryphius Horribillikriblifax“, ein nicht sehr einfaches Stück aus der Zeit des Barock. Eine, wie ich hörte, schwierige Arbeite, da nicht nur der alte Text, sondern auch die üppige dekorative Ausstattung den Studenten erhebliche Schwierigkeiten bereitete. Einzig der Hauptdarsteller schien davon nicht betroffen. Während die
anderen unter ihren barocken Kostümen, Schminkmasken und Perücken fast verschwanden, spielte er mit einer Leichtigkeit und Spielfreude, die seines gleichen suchte.
2004 zum Intendantenvorspiel in Dresden sah ich Paul Grill mit Franz Kafkas „Bericht für eine Akademie“. Er spielte die Rolle des Affen Rotpeter, der vor einer Akademie beweisen muss, dass die Menschwerdung des Affen geglückt ist. Wie Paul Grill diesen menschgewordenen Affen körperlich wie sprachlich bis ins letzte Detail präzise, sinnlich und unglaublich wahrhaftig darstellte, gehört für mich zu den Sternstunden des Theaters. Ich muss dazu sagen, ich sah einen Studenten des 4. Studienjahres, der erst am Anfang seiner schauspielerischen Karriere stand – und engagierte ihn vom Fleck weg an unser Theater.

Erst bei den Proben zum Werther wurde mir bewusst, dass der junge Student von 2002 und 2003 und dieser junge Schauspieler ein und dieselbe Person ist – nämlich Paul Grill. Ich war ihm also schon seit drei Jahren auf der Spur – und somit war unser Zusammentreffen hier in Cottbus vorherbestimmt. Seit er denken kann, will er Schauspieler werden, sagt Paul. Er ist, sage ich: zum
Schauspielen geboren. Die Bühne ist seine Heimat, sie ist sein natürliches zuhause. Er bewegt sich dort oben so selbstverständlich und natürlich, als gäbe es das Scheinwerferlicht und das Publikum gar nicht. Seine Wandlungsfähigkeit ist immer wieder umwerfend, ob als Ferdinand in Kabale und Liebe, als Werther in Christo Sagors gleichnamigen Stück oder als polnischer KfZ-Mechaniker Jan in Hallo Nazi. Durch sein virtuoses Spiel, sein großes Körperbewusstsein und durch seine gedankliche Klarheit verleiht er seinen Figuren ein unvergessliches Bühnenleben.

Einfacher gesagt – er kann denken – spielen – fühlen und das alles auf einmal – ein seltener Glücksfall. Geboren und aufgewachsen ist Paul in Berlin/Pankow. 1986 reiste er mit seiner Mutter nach Hamburg aus, da war er 7 Jahre alt. 1995 kamen sie beide nach Berlin zurück, da war er 15. Das hat ihn geprägt. Er selbst fühlt sich – auch durch seinen einjährigen Amerika-Aufenthalt 1996/97 – als Kosmopolit. Vorbilder? Keine. Von seiner Mutter, Lehrerin, spricht er oft. Das fällt mir auf. Nach dem Abitur Zivildienst im Virchow-Krankenhaus, in der Allgemeinen Chirurgie. Hier lernt er das wahre Leben kennen – Amputation, Sterben, Würmer im Mund, offene Wunden und und und – er
ist ein anderer danach – aber Schauspieler will er immer noch werden. Acht mal muss er sich bewerben, bis er endlich eine Hochschule von seinem Talent überzeugen kann. Er studiert zwei Jahre lang Grundlagen in Leipzig und kommt dann nach Dresden an das dortige Schauspielstudio, wo er die letzten zwei Jahre absolvieren soll – ein halbes Jahr vor Studienende konnte ich ihn für Cottbus gewinnen.

Da hatte Paul am Staatsschauspiel Dresden gerade den Romeo auf der großen Bühne gespielt (eine Inszenierung die ihn, wie er sagt, nicht sehr glücklich gemacht hat – aber immerhin). Romeo – Ferdinand – Werther – drei große, jugendliche Helden – das ist das Ergebnis der letzten zwei Jahre. Gerhard Fugmann schreibt in seiner Kritik zu Kabale und Liebe: „In diesem Spiel bestätigt sich Paul Grill als Ferdinand ebenbürtig. Er ist verliebt, so aufgebracht, so enttäuscht, wie es die Rolle vorgibt und er gewinnt damit die Gunst der Zuschauer ziemlich uneingeschränkt.“ Hartmut Krug spricht in seiner Kritik über den Werther in der Lausitzer Rundschau von „dem jungenhaft strahlenden Paul Grill“, von dem der Text „mit großem beweglichen Körpereinsatz sinnlich vorgeführt wird“.
Der körperliche Einsatz ist typisch für Pauls Spiel. Seine Figuren entäußern sich sehr stark über den Körper. Paul verleiht ihnen eine sehr intensive, körperliche Präsenz, bei dem jedes Detail stimmt. Ob beim Affen Rotpeter oder beim Ferdinand oder Werther.

Die berühmt Briefszene in Kabale und Liebe, wenn Ferdinand den fingierten Brief von Louise liest: Paul spielt den Schmerz Ferdinands, in dem er sich den Bruchteil einer Sekunde zusammenkrümmt. Einem Stromstoß gleich durchfährt ihn der seelische Schmerz durch alle Glieder und verbrennt ihn von innen – danach ist nichts mehr wie vorher. Ab da spielt er den Ferdinand mit einer Maske der
Unempfindlichkeit und sein Körper, vor allem aber sein Gesicht zeigt, wie aus dem Kind ein Mann wurde. Ein erwachsener Mann, der kein Gefühl mehr zulässt, der sich verschlossen und undurchdringlich der Welt und damit auch Louise nähert. Selbst in der Sterbeszene, in der Louise und Ferdinand wie zwei ausgelassene, fröhliche Kinder ihre Limmo-Party feiern – bleibt Pauls Ferdinand ein Gezeichneter. Wenn Werther nicht begreifen kann und will, das Lotte ihn nicht liebt – ihn nicht lieben kann. Wenn sie ihn endgültig verlassen will – wirft, nein schmeißt er sich ihr zu
Füßen – wieder und immer wieder. Lotte ruft entsetzt: „Mäßigen sie sich, Werther.“ Aber er kann nicht. Der Körper klatscht auf den Boden auf und ich sehe den Schmerz, den Werther sich zufügt und natürlich auch Lotte, die endlich eingreift und ihn hochreißt – „Seien sie ein Mann!“ Aber er sackt kraftlos zusammen um dann zum letzten furiosen Gegenschlag auszuholen. Er will Lotte vergewaltigen, sie zerstören, wenn er sie nicht haben kann, soll sie niemand haben.

Paul spielt dies mit einer so starken Intensität, dass ich auf den Proben immer wieder die Darstellerin der Lotte und ihn glaubte schützen zu müssen, weil es uns unten so stark berührte. Aber Paul lachte nur und zeigte mir stolz seine blauen Flecken: das gehört eben dazu. Paul liebt die Extreme, er sucht, ja er fordert sie geradezu heraus – das macht das Arbeiten mit ihm zu einem Abenteuer. Geht nicht – gibt’s nicht bei ihm. Kann ich nicht? Kennt er nicht. Paul diskutiert nicht, Paul übt – bis zur Erschöpfung. Und wenn – wie in Kabale und Liebe – der Regisseur sich wünscht, der Ferdinand möge Dudelsack spielen – dann lernt Paul das auch noch. Wenn sich der polnische Automechaniker Jan und der Nazi Rudi in der Zelle das erst Mal begegnen, spielt sich bei Paul in den drei Sekunden das ganze folgende Stück auf seinem Gesicht ab. Er versteinert förmlich und baut um sich eine undurchdringliche Wand auf bevor ein Wort zwischen den beiden gefallen ist – habe
ich alles gesehen.

Gabriele Gorgas schreibt in der Sächsischen Zeitung „Seinem Charme erliegen reihenweise Zuschauerinnen…“ In der Theaternacht II „… erhöht Paul Grill die Herzfrequenz der Frauen …“ Ich glaube nicht nur die der Frauen, sondern die des ganzen Publikums und deshalb sei ihm dieser wunderbare Preis verliehen. Auf das er uns weiter mit den unterschiedlichsten Figuren berührt und begeistert und wir ihn noch lange auf der Cottbuser Theaterbühne erleben dürfen. Ich gratuliere von Herzen Paul Grill zum Max-Grüenbaum-Preis 2005.

Bettina Jahnke, Oberspielleiterin des Schauspiels

Wolfram Korr – Karl-Newman-Förderpreis, Foto: Michael Helbig

Wolfram Korr – Karl-Newman-Förderpreis

Wolfram Korr

Karl-Newman-Förderpreis

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe die Ehre und auch die Freude, heute Ihnen den diesjährigen Preisträger des Karl-Newman-Förderpreises vorzustellen. Es handelt sich um einen Musiker, Mitglied des Philharmonischen Orchesters des Staatstheaters Cottbus. Er kam vor einigen Jahren quasi als Seiteneinsteiger zu uns und hat seitdem eine wichtige und führende Position in unsrem Orchester inne.

Da er aber ein Mann nicht nur von großem Können, sondern auch von ebenso großem Tatendrang ist, erschöpft sich seine Tätigkeit für das Staatstheater Cottbus nicht im Orchesterspielen. So leitet und moderiert er seit zwei Jahren das sich großer Beliebtheit erfreuende „Konzert zum Jahreswechsel“, und zu dieser Beliebtheit mag auch beitragen, daß er rein äußerlich – aber auch nur äußerlich – eine gewisse Ähnlichkeit mit einem berühmten Kollegen aus der Szene der populär-klassischen Musik aufzuweisen hat.

Damit nicht genug: Er knüpfte Kontakte, die zur positiven Ausstrahlung unseres Hauses und natürlich unseres Orchesters über die Lausitz hinaus nicht unerheblich beigetragen haben. Die Brandenburgischen Sommerkonzerte waren Anfang August in unserem Haus – das Fernsehen hat dieses Konzert gesendet. Und daß die „Wilden Jungs“ von CORVUS CORAX mit unserem Orchester und Chor aufgetreten sind, ist auch seiner Initiative zu verdanken.

Sie wissen natürlich jetzt, um wen es sich handelt! Der diesjährige Preisträger des Karl-Newman-Förderpreises heißt: Wolfram Korr.

Herzlichen Glückwunsch!

Generalmusikdirektor Reinhard Petersen

 

Dr.-Ing. Steffen Hill - BTU Forschungspreis

Dr. Steffen Hill – BTU Forschungspreis

Dr. Steffen Hill

Max-Grünebaum-Preis

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Repräsentanten der Max-Grünebaum-Stiftung,
sehr geehrte Gäste,
es ist für mich eine große Freude und auch eine Ehre zugleich, Ihnen im Rahmen dieser Festveranstaltung zur Verleihung des Max-Grünebaum-Preises 2005 Herrn Dr. Steffen Hill und seine Arbeit an der BTU Cottbus näher vorstellen zu dürfen.

In der Arbeit von Herrn Dr. Hill geht es um Beton. Jeder von Ihnen kennt diesen Baustoff, hat
möglicherweise als Heimwerker oder auch beruflich mit ihm zutun. Beton ist ein guter Baustoff, fest, dauerhaft und auf breiten Gebieten einsetzbar. Bereits im Alten Rom vor 2000 Jahren wurde ein künstlicher Stein entwickelt – Opus Cementitium, der Vorfahr des heutigen Betons – der Grundlage für die grandiosen Bauwerke dieser Epoche bildete. Dass wir Teile dieser Bauten heute noch bestaunen können, belegt meine eingangs getroffene Feststellung. Die Eigenschaften von Betonen können heute über Modellrechnungen wissenschaftlich exakt vorausberechnet und damit auf verschiedene Umwelteinflüsse eingestellt werden. Beton ist aber auch Veränderungen unterworfen. Über die Jahre seiner Nutzung kann er weiterhin an Festigkeit zunehmen, es kann aber auch zu massiven Eigenschaftsverschlechterungen, so genannten Schädigungen kommen.

Insbesondere letzt genannte Prozesse zu verstehen, zu beschreiben und wenn irgend möglich zu verhindern, ist ein nationales wie internationales Anliegen und damit Forschungsgebiet auch des Lehrstuhls Baustoffe/Bauchemie an der BTU seit vielen Jahren. Und genau in diese Forschungsaktivitäten hinein hat sich Herr Dr. Hill sehr gut eingepasst und am Ende diese am
Lehrstuhl prägend mitbestimmt. Herr Dr. Hill hat von 1993 bis 2000 an der BTU Cottbus Bauingenieurwesen studiert und war von 1998 an am Lehrstuhl Baustoffe/Bauchemie, zuerst als studentische Hilfskraft, dann als Diplomand und anschließend bis 2005 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Hierin zeigt sich eine Kontinuität in seinem wissenschaftlichen Arbeiten vom Studium bis hin zur praxisrelevanten Forschung.

Seit seinem Engagement am Lehrstuhl hat sich Herr Dr. Hill mit den genannten stofflichen Prozessen der Veränderung von Betonbestandteilen beschäftigt – gemäß dem Motto „Ohne Kenntnis des Stoffes ist der ganze Bau nichts!“ Wer mit offenen Augen durch Cottbus geht, wird die bauliche Entwicklung der Stadt, aber auch die der BTU in den letzten Jahren registriert haben. Wer tiefer schaut, dem wird aber auch nicht verborgen geblieben sein, dass sich an älteren Bauwerken, insbesondere an Brücken und Fahrbahndecken, Veränderungen zeigen, die auf schädigende Prozesse im Betoninneren schließen lassen.

Herr Dr. Hill hat sich, zwangsläufig ausgelöst durch diese Bauwerksuntersuchungen, mit dem komplexesten Mechanismus einer Betonschädigung auseinandergesetzt, nämlich dem, an den alle drei Hauptbestandteile eines Betons –Zement, Zuschlag und Wasser – gleichermaßen beteiligt sind. Diese Reaktion wird als Alkali- Zuschlag-Reaktion bezeichnet. Netzartige Rissbildungen und Abplatzungen sind Ausdruck dieser Reaktion und können an zahlreichen älteren Bauwerken beobachtet werden. Auch bei den Bauingenieuren ist der Blick nach vorn gerichtet, was bedeutet, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Herr Dr. Hill hat dies in der Weise umgesetzt, dass er sich gefragt hat, wie solche Betonzerstörungen zukünftig verhindert werden können. Sein Ansatz
ist denkbar einfach. Man muss aus einem sehr inhomogen zusammengesetzten Steinbruch schnell und sicher die Zuschläge herausfinden, die nicht schädigend im Beton wirken. Es musste demnach „nur“ ein Prüfverfahren entwickelt werden, welches innerhalb kurzer Zeit sichere und reproduzierbare Ergebnisse liefert. Hierzu muss ich anmerken, dass es ein Prüfverfahren für solche Zuschläge gibt. Der Zeitraum der Prüfung beträgt jedoch 9 Monate, eine Zeitspanne, die als Grundlage für technologische Entscheidungsprozesse jedoch viel zu lang ist.

Mit seiner Dissertation mit dem Titel „Zur direkten Beurteilung der Alkaliempfindlichkeit präkambrischer Grauwacken aus der Lausitz anhand deren Kieselsäure- und Aluminiumlöseverhaltens“, die Herr Dr. Hill mit dem Prädikat summa cum laude verteidigt hat, ist ihm hierzu ein wesentlicher Durchbruch gelungen. Im Ergebnis seiner Arbeit liegt ein Prüfverfahren vor, welches innerhalb von 14 Tagen gestattet, Zuschläge hinsichtlich ihres zu erwartenden
Schädigungspotenzials im Beton einzustufen. Damit kommt der Arbeit eine hohe regionale Bedeutung zu, aber diese Ergebnisse strahlen auch über die Region hinaus aus und machen damit die BTU Cottbus bzw. die Arbeit der hier tätigen Menschen bekannt. Insbesondere dieser letzte Aspekt der Arbeit von Herrn Dr. Hill kann nicht hoch genug gewürdigt werden, zumal Innovationen im Bauingenieurwesen nicht so eine hohe Dichte haben, wie in anderen Bereichen.

Wir können also durchaus stolz darauf sein, dass solche zukunftsweisenden Leistungen auf einem eher klassischen Gebiet der Ingenieurwissenschaften an der BTU und in der Stadt Cottbus erbracht werden. Herr Dr. Hill ist kein gebürtiger Cottbusser, stammt aber aus der Region, nämlich aus Finsterwalde und, Sie werden es ahnen, wie es sich für einen gebürtigen Finsterwalder gehört, macht er nebenbei Musik. Er spielt Gitarre in einer Band und von seiner Freude und Begabung am Musizieren zeugen zahlreiche Auftritte in der Region. Auch die Lehrstuhlmitarbeiter hat er gelegentlich mit Kostproben seines Könnens auf diesem Gebiet
begeistert. Der Beton kann sich glücklich schätzen, dass die Interessen von Herrn Dr. Hill nicht ausschließlich zur Musik tendierten. Aber gerade auch diese Kombination aus wissenschaftlicher Exaktheit und musikalischer Leichtigkeit macht den Menschen Steffen Hill aus und er hat dadurch über Jahre das Leben und Arbeiten am Lehrstuhl überaus positiv mit beeinflusst. Auch dafür möchte ich Herrn Dr. Hill herzlich Dank sagen. Nach Durchsicht der von der BTU seit 2000 bisher vorgeschlagenen und ausgezeichneten Preisträger erfüllt es mich als sein jahrelanger Betreuer und Kollege ebenfalls mit Stolz und Freude, dass mit Herrn Dr. Hill erstmals ein klassisch tätiger Bauingenieur diese hohe Auszeichnung erhält und ich kann bestätigen, dass er dieser würdig ist.

Ich wünsche Herrn Dr. Hill alles Gute für seine weitere private und berufliche Zukunft,
insbesondere weitere bahnbrechende und so gut umsetzbare Ideen, wie es das von Ihm
maßgeblich entwickelte Prüfverfahren an Zuschlägen für den Beton darstellt.

Dr. Klaus-Jürgen Hünger, BTU Cottbus

 

Sebastian Lehrack

Sebastian Lehrack

Sebastian Lehrack

Ernst-Frank-Förderpreis

Sehr geehrte Anwesende,

wir leben in einer Gegenwart, die vielerorts eher von der Suche nach Trennendem als nach Gemeinsamkeiten, die oftmals durch Verbitterung aus erfahrenem anstatt aus Hoffnung auf die offenen Möglichkeiten geprägt wird.

in Anbetracht dieser gegenwart finde ich es außerordentlich bemerkenswert, dass sich Erben entschließen, einen teil der Entschädigung für erlittenes Unrecht dafür einzusetzen, gerade junge Nachwuchswissenschaftler aus der Heimatstadt ihrer Vorfahren und dem Ort eben dieses erlittenen Unrechtes zu unterstützen. sie wissen es bereits – ich spreche von den in England lebenden Stiftern, die mit dem Ernst-Frank­ Förderpreis studierenden der Brandenburgischen technischen Universität Cottbus einen Arbeits- bzw. Studienaufenthalt in ihrer Heimat ermöglichen.

Dieses Jahr geht der Ernst-Frank-Förderpreis an Herrn Sebastian Lehrack, der seit 2002 bei uns, also an der Brandenburgischen technischen Universität Cottbus, Informatik im Bachelor-Studiengang studiert. bei Herrn Lehrack handelt es sich um einen in vielfacher hinsieht außergewöhnlichen Studenten, wobei ich hier die folgenden drei Gesichts­punkte hervorheben möchte.

Zum ersten Mal wurde ich auf Herrn Lehrack aufmerksam als bei uns am Institut die Kunde umging: da gibt es einen Studenten, der hat in „theoretischer Informatik“  eine 1.0 geschrieben. Hintergrundinformation hierzu: jede Studienrichtung hat ihr „Killerfach“, d.h. ein Fach, was viele Studierende zum aufgeben überredet. in der Informatik übernimmt diese Rolle die Lehrveranstaltung „theoretische Informatik“, in der es um Mathematische, also eher abstrakte Grundlagen der Informatik geht. es gehört mehr oder weniger zum guten Ton, mindestens einmal Durchzufallen bzw. höchstens eine 2.7 in diesem Fach zu schaffen. nicht wenige Studierende haben schon aufgrund dieser Lehrveranstaltung den Studiengang gewechselt. … und nun gab es einen Studenten, welcher – und noch dazu im ersten Anlauf – eine 1.0 geschrieben hat.

Damals kannte ich diesen „Exoten“ noch nicht persönlich. Kennengelernt habe ich ihn später, als er für eine meiner Lehrveranstaltungen als Tutor (Übungsbetreuer) tätig war. Während dieser Zeit entwickelte sich auch die Idee, dass er an meinem Lehrstuhl seine Bachelorarbeit schreiben wird.

Sein bisheriger, relativ ungewöhnlicher fachlicher Werdegang belegt sein strukturiertes Vorgehen und die damit verbundene Zielorientierung. Bereits als Schüler hat er mit anspruchsvollen Programmierergebnissen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. mit dem Projekt „Zensurenverwaltungsprogramm für Lehrer“ gewann er 1995 den 1. Platz im Landeswettbewerb „Jugend forscht“ im Gebiet „Arbeitswelt in Brandenburg“ und den 7. Platz im Bundeswettbewerb. Verschiedene Lehrer sollen dieses Projekt tatsächlich in der Praxis eingesetzt haben – ein beeindruckendes Resultat für eine Schüler-Softwareentwicklung. ebenfalls noch als Abiturient arbeitete er an einem Projekt mit, aus dem die BMWI – Datenbank „Wirtschaft Online“ hervorging. außerdem gründete er, zusammen mit Mitschülern und unterstützt von mehreren ortsansässigen Firmen, den „Java User Group Cottbus e.V.“, von dem er 1998 bis 2001 Präsident  war.

Nach einer solchen einschlägigen Vorbelastung liegt nichts näher als ein Informatik­studium, natürlich in Cottbus. die Wehrpflicht hinderte ihn an einem sofortigen Studienbeginn. Das Ende seines Zivildienstes fiel in die „Hochphase des Informatikermangels“, die für Quereinsteiger verlockende Möglichkeiten bot, an inhaltlich und finanziell interessanten Projekten mitzuarbeiten. … auch Herr Lehrack konnte dieser Versuchung nicht widerstehen und hat so von 2000 – 2002 an ca. einem Dutzend kleineren bis mittleren Projekten mitgewirkt.

Es ist außergewöhnlich, dass mit diesem fachlichen Hintergrund sich Herr Lehrack im Jahr 2002 zur ernsthaften Aufnahme seines Informatikstudiums entschließt, was er seitdem planmäßig und mit überdurchschnittlichen Studienergebnissen absolviert.

Interessanterweise hat sich im Verlaufe des Studiums sein Fokus von der Softwareentwicklung, in der er ja schon erfolgreich beruflich tätig war, immer mehr in richtung eher theoretischer aspekte der Informatik verschoben.

Sein Notenspiegel zeigt vorwiegend – in den theoretisch orientierten Fächern ausschließlich – sehr gute Ergebnisse, wobei hervorzuheben ist, dass er es sich bei der Zusammen­stellung seiner Fächer nicht leicht macht und vorzugsweise sogenannte „schwere“ Lehrveranstaltungen belegt. die Theorieorientierung verbindet Herr Lehrack mit soliden programmiertechnischen Fertigkeiten. Diese ungewöhnliche Kombination macht ihn zu einem vorbildlichen und begehrten Softwareentwickler, und seine einschlägigen Fähig­keiten machen Herrn Lehrack zu einem beliebten Tutor für Grundlagenvorlesungen im Informatikstudium.  …

Erwähnen möchte ich auch, dass sich Herr Lehrack nicht nur rein fachlich um die Informatik bemüht. zusammen mit seiner Lebensgefährtin hat er sich bereits für die übernächste Generation von Informatikerinnen persönlich verdient gemacht. Zur Zeit suchen die stolzen Eltern einen Kindergarten mit einer mathematisch-naturwissenschaftlich-orientierten Krabbelgruppe.

Der Förderpreis dient zur ko-Finanzierung eines 6-monatigen Studienaufenthaltes, der für das Sommersemester 2006 geplant ist. diesen Studienaufenthalt wird Herr Lehrack bei einem Fachkollegen verbringen, mit dem ich seit geraumer Zeit auf dem Gebiet der Bioinformatik, d.h. an der Nahtstelle zwischen Informatik und biologie/biochemie/medizin zusammenarbeite – Prof. David Gilbert, Professor für Bioinformatik und Leiter des „Bioinformatics Research Centre, University  Of Glasgow“ (also Schottland).

Ich war gerade selbst, und nicht zum ersten Mal, zu einem zweiwöchigen Arbeitsbesuch bei Prof. Gilbert in Glasgow und kann so aus eigener Erfahrung bestätigen, dass seine internationale Arbeitsgruppe und die excellenten Arbeitsmöglichkeiten in seinen Laboren ein hervorragend geeignetes Umfeld für das Entwicklungspotential von Herrn Lehrack bieten.

Ich bin mir sicher, dass der Aufenthalt in Großbritannien die fachliche und auch soziale Kompetenz von Herrn Lehrack maßgeblich und nachhaltig beeinflussen wird. Ich freue mich bereits auf die weiteren Fachlichen Impulse, die aus dieser Zusammenarbeit mit der Gruppe in Glasgow sicherlich hervorgehen werden.

Cottbus, den 02. Oktober 2005

Prof. Dr.-Ing. Monika Heiner, BTU Cottbus