Max-Grünebaum-Preisverleihung 2025

Die Preisträger*innen der Max Grünebaum-Stiftung 2025 (Foto v.l.n.r.): Laura Pfeffer (Ernst-Frank-Förderpreisträgerin 2025) Dr. Malte Welling (Max-Grünebaum-Preisträger 2025) Nils Stäfe (Max-Grünebaum-Preisträger 2025) Anna-Martha Thomas (Karl-Newman-Förderpreisträgerin 2025) (Foto: © Bernd Schönberger)

Preisträger 2025

Die Geschichte der Max Grünebaum-Stiftung ist ein beeindruckendes Zeugnis der Versöhnung, die damit verbundene alljährliche feierliche Verleihung der Max-Grünebaum-Preise ein emotionaler Höhepunkt im kulturellen und wissenschaftlichen Leben der Stadt Cottbus.

Max Grünebaum (1851−1925), Tuchfabrikant und Ehrenbürger der Stadt, Förderer von Kunst und Wissenschaft, wurde in der Zeit des Dritten Reiches enteignet und aus Deutschland vertrieben. Nach der Wiedervereinigung erhielten die Nachkommen Max Grünebaums Entschädigung für ihr geraubtes Vermögen und gründeten damit die nach ihrem Großvater benannte Stiftung. In diesem Jahr jährt sich der Todestag von Max Grünebaum zum 100. Mal.

Am 9. November 2025 zeichnete die Stiftung im Großen Haus am Schillerplatz ganz im Sinne ihres Namensgebers zum 29. Mal herausragende Künstler*innen des Staatstheater Cottbus und Wissenschaftler*innen der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) aus. Die Stiftung setzt damit einmal mehr ein Zeichen für Verständigung und Wertschätzung.

Die Veranstaltung eröffneten die Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg Prof. Dr. Gesine Grande, Vorsitzende des Kuratoriums der Max Grünebaum-Stiftung sowie die Mitglieder des Kuratoriums Hasko Weber, Intendant des Staatstheater Cottbus, und Tobias Schick, Oberbürgermeister der Stadt Cottbus/Chóśebuz.

Die Mezzosopranistin Rahel Brede und die Schauspielerin Sigrun Fischer, beide Max Grünebaum-Preisträgerinnen vergangener Jahre, waren mit künstlerischen Beiträgen zu erleben.
Musiker*innen des Philharmonischen Orchesters des Staatstheaters begleiteten die Veranstaltung musikalisch mit einem Ausschnitt aus einer Oper von Astor Piazzolla.

KI trifft Klassenzimmer

Bei der Preisverleihung wurde ein neues, durch die Stiftung unterstütztes Projekt vorgestellt: das „Forschende Theater“, in dem junge Menschen sich wissenschaftlich und künstlerisch mit Themen auseinandersetzen können. Im Pilotjahr ging es um Künstliche Intelligenz.

Zu Entstehung des Projektes sagte Peter Gumbel, Urenkel von Max Grünebaum: „Max Grünebaum war seiner Zeit voraus. Er verstand, wie wichtig neue Technologien sein können und setzte sich leidenschaftlich für Bildung ein. Anlässlich des 100. Jahrestages seines Todes fügt sich dieses Projekt perfekt in sein Vermächtnis ein.“

Mit der Frage „Künstliche Intelligenz: Wie verändert sie unser Leben, wie gestaltet sie unsere Räume?“ beschäftigten sich 20 Schüler*innen der Klasse 10 A der Sandower Theodor-Fontane-Schule während einer Projektwoche zum Beginn des neuen Schuljahres. Für die Teilnehmer*innen standen unter anderem ein Impulsvortrag zu Robotik, das Kennenlernen von humanoiden Robotern und Roboterhunden, Vorträge zur Stadtplanung mit KI-Bezug, Exkursionen in Stadträume und eine Technikführung durch das Große Haus des Staatstheaters Cottbus auf dem Programm.

Bei der Preisverleihung berichteten Julia Burkow und Ennio Mucha, Klassensprecher*innen der 10a der Theodor-Fontane-Schule, über ihre Eindrücke und Erfahrungen. Begleitet wurde die Projektwoche von einem Kamerateam des Multimediazentrums der BTU, das dem Publikum der Festveranstaltung den fertigen Film präsentierte.

Damit wurde der Auftakt für ein langfristig angelegtes Projekt gegeben, welches jährlich mit 10.000 Euro durch die Max Grünebaum-Stiftung gefördert wird. Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit zwischen der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und dem Staatstheater Cottbus.
Unter dem Titel „Theater – Wissen – Zukunft: Forschendes Theater“ soll jedes Jahr eine Projektwoche stattfinden, bei der sich junge Cottbuser*innen in theaterpädagogischen und wissenschaftlichen Formaten gesellschaftlich relevanten Themen nähern.

Die Preisträger*innen 2025

Während der Festveranstaltung vergab die Max Grünebaum-Stiftung jeweils einen Max-Grünebaum-Preis und einen Förderpreis an die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und an das Staatstheater Cottbus.

Der Max-Grünebaum-Preis der BTU Cottbus-Senftenberg ging in diesem Jahr an Dr. Malte Welling. Der diesjährige Ernst-Frank-Förderpreis wurde an Laura Pfeffer verliehen.

Max-Grünebaum-Preisträger 2025 des Staatstheater Cottbus ist der Bariton Nils Stäfe. Den Karl-Newman-Förderpreis 2025 erhielt die Oberankleiderin Anna-Martha Thomas.

Der Max-Grünebaum-Preis ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 3.500 Euro. Der Förderpreis für die BTU finanziert ein Auslandssemester, der Förderpreis für das Staatstheater eine Theaterreise nach London.


Nils Stäfe

Max-Grünebaum-Preis 2025

STAATSTHEATER COTTBUS (Spielzeit 25.26) Bariton Nils Stäfe Foto: (c) Bernd Schönberger

STAATSTHEATER COTTBUS (Spielzeit 25.26)
Bariton Nils Stäfe
Foto: (c) Bernd Schönberger

Sehr verehrte Stifterfamilie,
sehr geehrte Mitglieder des Kuratorium der Max Grünbaum
Stiftung,
sehr geehrte Damen und Herren,

Mit den Rollen eines Baritons ist es so eine Sache: einerseits sind sie vielfältig, auch vielschichtig. Andererseits verkörpert der Bariton aber auf der Bühne meist nicht die positive Identifikationsfigur. Er ist nicht der triumphierende Held. Er ist nicht der strahlende Liebhaber.

Selten gibt es für ihn in der Oper ein Happy End. – Meist steht ihm irgendein Tenor im Weg. – Der spannt ihm die Frau aus oder bringt ihn gleich um. In der Liebe und der Karriereplanung kommen Baritone in der Literatur selten zum Zug.

Umso schöner, dass es heute für einen Bariton ein Happy End gibt – in Form des Max-Grünebaum-Preises. Als Ehrung seiner künstlerischen Qualitäten und als Anerkennung seiner Leistungen hier am Haus wurde ihm der Preis in diesem Jahr zuerkannt. Seit 2017 ist er Mitglied des Musiktheaterensembles am Staatstheater Cottbus: der wunderbare Bariton NILS STÄFE.

In Saalfeld geboren, führte ihn sein Weg von den Thüringer Sängerknaben zum Gesangsstudium nach Weimar, vor Abschluss bereits in ein Engagement ans Deutsche Nationaltheater Weimar und ans Theater nach Erfurt.
– Alles in ihm drängte immer schon auf die Bühne, in die Praxis, zum gemeinsamen Musizieren.

Wer mit ihm gearbeitet hat, der vergisst ihn nicht.
Wer mit ihm einen Weg gegangen ist, dem bleibt er verbunden.

So spielt er schon mal aus alter Freundschaft in einer Kirche in Altötting den Kontrabass.
Dann transportiert er wieder ein wohlgepacktes Lausitzer-Carepaket einer Mutter quer durch Deutschland, um es in seinem Urlaub einer jungen Kollegin mitzubringen, die bei uns ihr FSJ gemacht hat. – Denn: Von wem er einmal in Sachen Textlernen abhängig war, den vergisst er eben nicht!

Das Erarbeiten von Rollen ist bei ihm ein spannender Prozess. Es ist ein Wechselspiel von An-sich-Ranlassen und wieder Ablehnen. Er begibt sich mit seinen Figuren auf eine emotionale Reise. Er lässt sich weiter und tiefer hineinfallen, wo er sich am Anfang nur tastend herangewagt hatte.
Es ist ein Ringen. – Um Text und Musik an der Oberfläche, um Wahrhaftigkeit im Inneren. Und diese Sensibilität, die Bühne und Leben, Instinkt und Können verbindet, macht ihn als Künstler aus.

Er lässt sich zu Höchstleistungen provozieren und zu Fragilität verführen – eine Freude für jede Regie. Er findet sich stilistisch in eine weite Bandbreite ein – eine Freude für jede musikalische Leitung.Und so kommt es, dass seine Aufgaben immer schillernd und vielfältig sind und waren.

Anlässlich einer Preisverleihung wie dieser kommt man auch endlich mal dazu, was man im Galopp des Alltags oft vergisst: innezuhalten und sich eine Bilanz vor Augen zu führen, auf die er wahrlich stolz sein kann, denn er ist in seiner Karriere Schritt für Schritt vorangegangen und in und an seinen Rollen gewachsen:

Es zitterte ganz Rom vor ihm (sagte TOSCA über ihn), dann machte er als SWEENEY TODD London unsicher. Zwischendurch wirft er sich dann einfach mal ein Paillettenkleid über, um in der Revue KEIN SCHÖNER LAND politische Lieder zu singen.

Er begab sich als störrisches Grautier auf die Reise nach BREMEN, um STADTMUSIKANT zu werden, und stellte sich damit dem anspruchsvollsten Publikum, das es gibt: den Kindern.

Immer hinterließ er bleibende Eindrücke – so auch als Melot: da rammte er TRISTAN (in dieser Inszenierung) eine Spindel in den Leib. Die Rache eines Baritons sozusagen. – Von der Wunde musste der Tenor nämlich dann – nach 3 Stunden Oper – immer noch einen ganzen weiteren Akt lang singen – ohne zu genesen.

Einem Stier in CARMEN erging es nicht besser, als er auf Escamillo-Stäfe traf.

Er herrschte über Sizilien als KÖNIG ROGER. Einen anderen Hof unterwanderte er als Intrigant Leander, bis sich der Prinz dort in DREI ORANGEN verlieben musste …

Auf der Leipziger Messe schließlich setzt er sich in dieser Saison für die junge Designerin GISELA tatkräftig ein und bekommt als Belohnung endlich auch mal eine Partnerin ab am Ende.

Zwischen all diesen Rollen immer wieder KONZERTE: Carmina Burana und Weihnachtsoratorium, Operetten-Gala und Brahms-Requiem, Walzernacht und Beethovens Neunte. – Die Liste ließe sich noch lange so weiterführen.

Nils Stäfe ist eben immer zur Stelle. Er ist wahrlich das, was man gerne als „Säule des Ensembles“ bezeichnet. Als Sänger die „Eierlegende Wollmilchsau“ – was er im neuesten Kinderstück DIE KUH ROSMARIE auch tatsächlich unter Beweis stellen wird. – Die Regisseurin schwärmte gerade gestern von der Probe, wie er ein Ei legt … wir dürfen gespannt sein.

Neben dem Schauplatz Bühne wirkt er auch hinter den Kulissen: als verlässlicher Kollege, einsichtiger Gesprächspartner und nicht zuletzt als gewählter Vertreter des Ensembles.

Neben aller Ernsthaftigkeit blitzt dann doch immer wieder der Schalk aus seinen Augen und die Lust an einer spielerischen Freiheit – und so ist er auch für jeden Spaß immer zu haben.

Lieber Nils,

danke, dass Du Dich mit Deiner Stimme, Deiner Präsenz, Deinem Humor und Deiner Theaterlust hineinwirfst in das bunte Leben auf und neben der Bühne hier in Cottbus.
Du bist – um „Messeschlager Gisela“ zu zitieren – tatsächlich „ein Mann von Qualität!“
– und darum mit allem Recht Träger des diesjährigen Max-Grünebaum-Preises, zu dem ich Dir ganz herzlich gratulieren darf.

Nils Stäfe!

Laudatio von Corinna Jarosch, Geschäftsführende Dramaturgin für Musiktheater, Ballett und Konzert, Staatstheater Cottbus


Anna-Martha Thomas

Karl-Newman-Förderpreis 2025

Anna-Martha Thomas_Foto (c) Bernd Schönberger

STAATSTHEATER COTTBUS (Spielzeit 25.26)
Oberankleiderin Anna-Martha Thomas
Foto: (c) Bernd Schönberger

Hochverehrte Stifter,

sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

um es unserer heutigen Preisträgerin gleichzutun, hätte ich kaum merklich auf die Bühne schweben müssen. Immer leicht und froh, immer ein Lächeln im Gesicht, immer gute Laune verbreitend, voller Empathie auch wenn es Probleme zu lösen gilt. So zeigt sich unsere Preisträgerin täglich.

Als Synonym – der Schmetterling war da – mit zwei Armschlägen symbolisiere ich es. Jeder in meiner Umgebung weiß dann, wer gemeint ist. Es ist mir stets eine Freude, mit ihr zu arbeiten und zu diskutieren.

Unsere Preisträgerin wurde 1996 geboren, besuchte die Schule in Cottbus und absolvierte ihr Abitur am Niedersorbischen Gymnasium in Cottbus. Mit ihrer Ausbildung begann sie 2018 an der Stiftung für schulische Berufsausbildungen Berlin – dem Lette Verein. Dort hat sie vielseitige und umfangreiche Erfahrungen gesammelt in den Bereichen Bühnen-, Kostüm- und Modedesign und erhielt das Angebot, in der Meisterklasse am Lette Verein Berlin ihre Ausbildung um ein Jahr zu erweitern und zu verlängern.

Schon während der Ausbildung war sie mit einem Kollektionsteam Gewinnerin des Wettbewerbs Haägen Dazs Lette Verein. Sie absolvierte ein Praktikum bei dem Designer Kilian Kerner und dieser stellte sie für die Live-Show 2012 Deutschland sucht den Superstar im RTL an.

In diesem temporeichen Umfeld arbeitete sie viele Wochen mit Ausdauer und unter Hochdruck, sie organisierte Looks, vermaß, besserte aus, änderte, bügelt, kleidete an und betreute den Wechsel. Durch die Backstage-Erfahrung in der Mode- und Fernsehwelt lernte sie das Koordinieren und Managen von komplexen Abläufen, stets bemüht, Nerven zu bewahren und wie man heute neudeutsch sagt – cool zu bleiben.

Schon immer galt seit ihrer Jugend ihre Liebe dem Theater. Viele Jahre hat sie im Piccolo-Jugendklub mitgespielt und später in einem Projekt der Sophiensäle Berlin. Bereits als Kind besuchte sie häufig Vorstellungen im Cottbuser Theater. Vielleicht haben diese Besuche auch die Leidenschaft für das Theater geweckt.

Seit dem 1. Juni 2022 konnte ich unsere Preisträgerin fest an unser Haus binden – als Ankleiderin.

Da die Oberankleiderin, am Theater sagt man auch Chefgarderobiere – das klingt noch viel besser –, krankheitsbedingt ausfiel, hat sie sofort und unbürokratisch das Zepter übernommen und monatelang diese Abteilung angeleitet, organisiert und befriedet. Das Ganze in einer Corona-bedingt wirklich nicht einfachen Zeit. Sie hat für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ihrer Mitstreiterinnen sich sofort eingesetzt und auch für die Aufwertung der Garderobenbedingungen der Künstler an unserem Haus.

Die jahrelange Diskussion über neue Chorkleidung unserer Damen des Opernchores hat sie mit der Einreichung ihrer eigenen Entwürfe beendet. Sie sind inzwischen Wirklichkeit geworden und bereichern unsere Chorkonzerte. Erstmals konnten die Besucher die Kollektion zu dem Konzert Carmina Burana in Branitz Pfingsten 2025 bewundern. Wir alle freuen uns über die gelungene Umsetzung.

Sie ist eine sehr kompetente, zuverlässige und höchst engagierte sehr beliebte Kollegin. Als Jüngste der Abteilung und als neue Leiterin der Abteilung hat sie sich große Anerkennung ihrer Mitarbeiterinnen, der Künstlerinnen und Künstler und der Theaterleitung verdient. Sie ist eine große Bereicherung für unser Theater. Mit viel Mut und Engagement hat sie die ersten Kostümverkäufe an unserem Haus geplant, organisiert und erfolgreich durchgeführt.

Die diesjährige Preisvergabe soll Anerkennung und Anregung zu gleichen Teilen sein.

Bitte gratulieren Sie mit mir Frau Anna Martha Thomas zum

Karl-Newman-Förderpreis 2025.

 

Laudatio von Matthias Günther, Technischer Direktor, Staatstheater Cottbus


Dr. rer. pol. Malte Welling

Max-Grünebaum-Preis 2025

Umweltökonom Dr. rer. pol. Malte Welling

Umweltökonom Dr. rer. pol. Malte Welling | Foto (c) Malte Welling

Es ist mir eine große Freude, auch in diesem Jahr einen Preisträger für den Max-Grünebaum- Preis vorstellen zu dürfen.

Wissen Sie eigentlich, wie es zu diesem Vorschlag kommt? Die Auswahl erfolgt über einen mehrstufigen Prozess: ProfessorInnen können Vorschläge mit einer ausführlichen Begründung einreichen und dann bewerten die Mitglieder unserer Senatskommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs anhand verschiedener Kriterien die einzelnen KandidatInnen und bilden eine Rangliste. Und dieses Jahr stand Herr Dr. Malte Welling auf dem 1. Platz.

Es ist mir eine Ehre und Freude, den Preisträger, seine Dissertation und sein eindrucksvolles Engagement kurz vorzustellen.

Malte Welling hat seinen Bachelor in Volkswirtschaftslehre 2014 an der LMU München abgeschlossen und danach einen Master in Economics and Philosophy an der sehr renommierten London School of Economics mit distinction abgeschlossen. Das Thema seiner Masterarbeit war CO2 Steuern und Verteilungsgerechtigkeit. Von 2019 bis 2024 hat Dr. Welling bei Prof. Wätzold am Lehrstuhl Volkswirtschaftslehre, insbesondere Umweltökonomie promoviert. Falls Ihnen das irgendwie bekannt vorkommt, ja, die Preisträgerin des letzten Jahres, Frau Dr. Gerling, hatte auch bei Prof. Wätzold promoviert. Und das sollte einen besonderen Applaus für meinen Kollegen wert sein. Herzlichen Dank für Ihr großes Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Herr Welling hat seine Dissertation zum Thema Choice Experiments in the Valuation of Urban Ecosystem Services – übersetzt ungefähr mit Auswahl-Experimente in der Bewertung städtischer Ökosystemleistungen geschrieben, und mit der bestmöglichen Bewertung – einem summa cum laude – abgeschlossen. Die Arbeit entstand vor dem Hintergrund der wachsenden Herausforderungen für die Städte, Klimawandel und Biodiversitätsverlust einerseits und sozialen Zusammenhalt und Lebensqualität der Bewohner andererseits bei der Stadtplanung zu berücksichtigen. Malte Welling hat sich mit der Rolle von Stadtgrün in diesem Spannungsfeld beschäftigt, und zwar mit der Perspektive der Bewohner, mit ihren Präferenzen mit Blick auf die unterschiedlichen ökologischen, sozialen und kulturellen Leistungen. Er hat dazu fünf wissenschaftliche Studien durchgeführt, in denen er verschiedene Fragen zu den Präferenzen der Stadtbewohner mit Blick auf Stadtgrün, Grünflächen, Parks, Bäume und Kleingärten untersucht hat. Dafür hat er eine in der Markforschung, Gesundheitspolitik, aber eben auch in Umweltökonomik etablierte Methode „Das Auswahl-Experiment“ eingesetzt und diese Methode selbst dabei weiterentwickelt. Es handelt sich um einen sehr komplexen Befragungsansatz, bei dem man Menschen nicht direkt fragt, ob sie lieber Bäume oder Gärten, lieber einen Park in der Nähe oder in der Ferne, lieber mehr Nistmöglichkeiten für Vögel oder Pflanzen für Bienen hätten. Man versucht, der Realität etwas näher zu kommen, indem Szenarien konstruiert werden, die verschiedene Merkmale in unterschiedlicher Ausprägung verbinden. Also ein Szenario mit Stadtbäumen und Nistkästen aber wenig Parks, ein Szenario mit vielen Parks aber weit entfernt usw. Die Befragten entscheiden dann, welches Szenario sie bevorzugen. Und das tun sie immer wieder im Vergleich der verschiedenen komplexen Szenarien. Und dann kommen die Statistiker und rechnen über alle Befragungen und Szenarien aus, was den Menschen am wichtigsten ist. Ich bitte Herrn Welling um Vergebung für diese schlichte und unzulängliche Beschreibung.

Fakt ist, dass die Ergebnisse, die Herr Dr. Welling in seinen Studien herausgefunden hat, nicht nur wissenschaftlich innovativ sind, sondern auch von außerordentlicher praktischer Relevanz. Städte können auf der Grundlage seiner Daten und zukünftiger Studien mit seiner Methodik ihre Stadtgrünplanung faktenbasiert aufstellen. Und das macht einen großen Unterschied in Zeiten von knappen Flächen oder knappen Ressourcen oder Knappheit in allem und es macht einen großen Unterschied, wenn man Stadtgrün auch im Sinne der Bewohner planen will.

Die Praxisrelevanz seiner Arbeiten zeigt sich auch darin, dass alle Studien in Kooperation mit einer oder mehreren Städten – Augsburg, Berlin, Bremen, Karlsruhe, Leipzig, Nürnberg und Stuttgart durchgeführt wurden und dort unmittelbar in städtische Strategien und Handlungsfelder Eingang fanden, zum Beispiel in der Bremer Klimaanpassungsstrategie und in der Grünflächenplanung in Leipzig und Berlin-Neukölln. Leider habe ich Cottbus in der Liste noch vermisst …

Herr Welling hat seine Ergebnisse unmittelbar für Politik und Praxis zugänglich gemacht, durch Policy Briefe, Factsheets, Veröffentlichungen in Anwender-Zeitschriften, durch Vorträge und als Sachverständiger zu Kleingärten im Ausschuss für Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz des Landtags NRW.

Herr Dr. Welling ist ein exzellenter junger Wissenschaftler. Er hat seine Forschungsergebnisse in internationalen und renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht und auf internationalen Tagungen präsentiert. Er hat internationale Kooperationen mit verschiedenen Wissenschaftlern aufgebaut, am Department of Food and Resource Economics der Universität Kopenhagen, an der Universität Warschau, an der Swedish University of Agricultural Sciences und der University of Stirling. 2024 konnte er in einem sehr kompetitiven Verfahren eine Nachwuchsforschergruppe „Grün für alle? Die gerechte Transformation zu resilienten Quartieren“ beim Bundesforschungsministerium in Höhe von 3,5 Millionen einwerben. Seit Juli dieses Jahres ist er als Leiter dieser Nachwuchsgruppe am Zentrum für Klimaresilienz der Universität Augsburg.

Malte Welling ist auch jenseits seiner wissenschaftlichen Karriere ein sehr engagierter Mensch. Schon während seines Studiums wurde er ins Studierendenparlament gewählt, engagierte sich im Umweltreferat und als gewähltes studentisches Mitglied im Ausschuss für Studium und Lehre. Er war studentischer Koordinator der Hochschultage Ökosozioale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit. Während seiner Studienzeit in London engagiert er sich für Geflüchtete im Notre Dame Refugee Centre. Heute engagiert er sich ehrenamtlich im Weitwinkel e.V. in der Organisation von Bildungsformaten für den sozial-ökologischen Wandel in der Stadt, als Trainer für Nachwuchs im Teamsport Ultimate Frisbee, als Imker in einem Gemeinschaftsgarten und mit Workshops für die Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Ich bin überzeugt, dass Herr Dr. Malte Welling in ganz besonderer Weise dem Stiftungsgedanken entspricht und freue mich, dass er in diesem Jahr mit dem Max-Grünebaum-Preis ausgezeichnet wird.

Herzlichen Glückwunsch! Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute für die nächsten Schritte Ihrer akademischen Karriere und hoffe, Sie bleiben der BTU als Wissenschaftler verbunden.

 

Laudatio von Prof. Dr. p. h. habil. Gesine Grande, Präsidentin
Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg


Laura Pfeffer

Ernst-Frank-Förderpreis 2025

Architekturstudentin Laura Pfeffer

Architekturstudentin Laura Pfeffer | Foto (c) Laura Pfeffer

Die Person, von der jetzt die Rede ist, ging in Hessen zur Schule. Von 2006 bis 2010 besuchte sie die Grundschule von Künzel bei Fulda, 2018 machte sie Abitur an einem Gymnasium in Fulda. Zwischen 2019 und 2023 studierte sie an der Bauhaus-Universität Weimar, wo eine bis heute Stil prägende Architektursprache geboren wurde. Auch für unsere Preisträgerin war die Zeit in Weimar bereits eine wichtige Quelle der Inspiration.

Ich selbst komme gerade geradezu beseelt von einer Dienstreise aus Weimar zurück. Ich stand im Direktorenzimmer im Hauptgebäude, in dem einst Walter Gropius wirkte, das von ihm auch selbst entworfen und Ende der 1990er Jahre rekonstruiert wurde. Und ich stand im Van-De-Velde-Bau, dessen Treppenhaus von Oskar Schlemmer gestaltet wurde – unter anderem mit einem riesigen Wandgemälde. Mir wurde die ehemalige „Wohnung von Adolf Meyer“ gezeigt. Meyer, außerordentlicher Meister am Staatlichen Bauhaus und Leiter des Architekturbüros von Walter Gropius, ließ das Wohnzimmer seiner Mietwohnung mit Wandmalereien gestalten. Im Mittelpunkt standen je zwei Wandgemälde von Oskar Schlemmer und Werner Gilles.

Der Weimarer Drang zu innovativer Architektur und progressiver Kunst haben auf unsere Preisträgerin offensichtlich abgefärbt. Bevor ich darauf eingehe, seien noch weitere Stationen kurz genannt: Zwischen 2021 und 2022 verbrachte sie ein Auslandssemester an der University of Plymouth, UK. Zu den Stationen gehören auch ein Praktikum am Öko-Zentrum in Hamm in Nordrhein-Westfalen, ein Praktikum in einem Ingenieurbüro für historische Baukonstruktionen sowie ein Praktikum im Architekturbüro Weber + Elsässer in Fulda.

All diese Erfahrungen hatte unsere Preisträgerin bereits im Gepäck, als sie im Oktober 2023 zum Architekturstudium nach Cottbus kam. Ihr Interesse an bzw. ihre Neugierde für Kunst, Architektur und Kultur, für ein Studium im Ausland, für Neues und für Anderes machen sich schon jetzt bezahlt.

Laura Pfeffer, unsere heutige Preisträgerin, ist ein Geschenk für die BTU. Verena Issel, Professorin für Bildende Kunst sagt über sie: „Laura ist eine außergewöhnliche Studentin, die durch ihre hervorragenden Leistungen, ihre große Kreativität sowie ihr beeindruckendes künstlerisches und architektonisches Talent herausragt.“ Ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten hat sie bereits auf verschiedene Art und Weise unter Beweis gestellt.

Im Bereich Textile Konstruktion gelang es ihr, Architektur und Skulptur durch textile Materialien auf ganz einzigartige Weise zu verbinden. Ihre Arbeiten zeugen nicht nur von handwerklicher Perfektion, sondern auch von einer innovativen Kraft, so dass sich neue gestalterische Möglichkeiten eröffnen. Es wundert nicht, dass Lauras genähte Konstruktionen nicht nur inspirieren, sondern auch zeigen, wie Textilien als architektonisches Medium neu gedacht werden können. Ihr Wissen, Können und das Vermögen im Umgang mit Textilien ermöglichen ihr eine sehr ausdrucksstarke und besondere Formen- und Architektursprache.

Durch ihre Fertigkeiten im Umgang mit Textilien steht sie gewissermaßen auch in einer Verbindung zur Geschichte des Stifters Max Grünebaum, der selbst als Tuchfabrikant tätig war.

Neben ihren akademischen und künstlerischen Leistungen trat Laura auch als sozial sehr engagierte Studentin hervor. Sie setzt sich, wie mir meine Kollegin Verena Issel bestätigt hat, mit großem Engagement für ihre Kommiliton:innen ein, unterstützt sie fachlich und trägt auch auf diese Weise maßgeblich zu einem sowohl positiven als auch inklusiven Studienumfeld bei. Laura übernimmt gesellschaftliche Verantwortung. Auch über ihre Arbeiten macht sie sich gegen Formen von Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit stark. Auch damit steht sie in einer direkten Verbindung zu den Werten der Max Grünebaum-Stiftung.

Ein bemerkenswerter Preis geht nun an eine bemerkenswerte Person. Eine Person, ausgestattet mit viel Talent und viel Offenheit für Neues und Anderes. An Laura zeigt sich, wie wertvoll Neugierde und Interesse und die Lust für Experimente sind.

Als Dekan der Fakultät 6 freue ich mich, dass die mit dem Ernst-Frank-Förderpreis gewürdigte Person aus unserem Hause, der Fakultät 6 für Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung, kommt.

Laura Pfeffer plant einen Studien- und Arbeitsaufenthalt – nach meinen Informationen zieht es sie nach England. Wie gut, dass der Ernst-Frank-Förderpreis ihr das möglich machen wird. Denn eine Person wie Laura schicken wir gerne in die Welt hinaus – mit schönen Grüßen aus Cottbus. Wohin sie auch geht, sie wird eine gute Botschafterin sein, die andere insbesondere mit ihrem engagierten Wesen inspiriert und mit ihren künstlerischen Fertigkeiten selbst zur Inspiration für andere wird.

Laura, ich bin sehr beeindruckt und ich freue mich sehr. Herzlichen Glückwunsch.

 

Laudatio von Prof. Dr-Ing Bernhard Weyrauch, Fachgebietsleitung Bau- und Planungsrecht, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg