Die Preisträger der Max Grünebaum-Preisverleihung 2018 (v.l.n.r.): Dr.-Ing. Michael Hoff, Dr.-Ing. René Rietz, Lisa Schützenberger und Thorsten Coers.

Max-Grünebaum-Preisträger 2018

Die Preisträger der Max Grünebaum-Preisverleihung 2018 (v.l.n.r.): Dr.-Ing. Michael Hoff, Dr.-Ing. René Rietz, Lisa Schützenberger und Thorsten Coers.
Foto: Marlies Kross

Preisträger 2018

Die Preisträger der Max-Grünebaum-Preisverleihung 2018 (v.l.n.r.): Dr.-Ing. Michael Hoff, Dr.-Ing. René Rietz, Lisa Schützenberger und Thorsten Coers. Foto: Marlies Kross

Die Max Grünebaum-Stiftung würdigte am Sonntag, 7. Oktober 2018, in Cottbus zum 22. Mal Künstler des Staatstheaters Cottbus und Wissenschaftler der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU Cottbus–Senftenberg).Verliehen wurden in diesem Jahr ein Max-Grünebaum-Preis an das Staatstheater Cottbus und zwei Max-Grünebaum-Preise an die BTU Cottbus–Senftenberg sowie an jede Institution ein Förderpreis. Der Max-Grünebaum-Preis ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Max-Grünebaum-Preisträgerin des Staatstheaters Cottbus ist die Schauspielerin Lisa Schützenberger. Der Karl-Newman-Förderpreis, eine Theaterreise nach London, wurde an Opernchorsänger Thorsten Coers verliehen.

Die Wissenschaftler der BTU Cottbus–Senftenberg René Rietz und Michael Hoff erhielten je einen Max-Grünebaum-Preis. Der mit einem Stipendium für ein Auslandssemester verbundene Ernst-Frank-Förderpreis ging an Philip Putze.

 

Lisa Schützenberger, Schauspielerin am Staatstheater Cottbus

Lisa Schützenberger, Schauspielerin am Staatstheater Cottbus

Lisa Schützenberger

Max-Grünebaum-Preisträgerin 2018

Es ist mir ein großes Vergnügen, Ihnen mitzuteilen, dass der Max-Grünebaum-Preis 2018 an die Schauspielerin Lisa Schützenberger geht.

Chapeau, Lisa! – Und den Hut kann man ja nur ziehen, wenn man vorher einen aufhat.

Und was sagt sie?

Sie sagt: „Wir lieben euch, wir lieben unser Publikum.“

Mit diesem Zitat aus dem Stück „Terra In Cognita“ möchte ich den Reigen der schönen Worte eröffnen.

Ja, wir lieben unser Publikum, in guten wie in schlechten Zeiten, und wenn es uns verlässt, laufen wir ihm hinterher. Aber nicht etwa, weil wir so eitel sind, sondern weil wir an etwas glauben. Wir glauben daran, dass die Kunst ein Wirkstoff in unserer Welt ist, welcher zum Erhalt und zur Beförderung unserer geistigen Gesundheit unverzichtbar ist. Sie sollte jedem Menschen offen zugänglich sein und ist zum Überleben grad so notwendig wie ein Nahrungsmittel. Lisa Schützenberger hat sich, so wie ihre Kolleginnen und Kollegen, mit ihrer ganzen Kraft dem Theater verschrieben. Diese Kraft darf nicht verschwendet sein.

Der Max-Grünebaum-Preis gibt mir nun die Gelegenheit, neben der Anerkennung ihrer künstlerischen Leistung auch den Einsatz und die Aufopferungsbereitschaft einer jungen Künstlerin zu würdigen, die mit ihrem Hunger, ihrem engagierten Denken, ihren unbegrenzten Ansprüchen an das Leben und die Kunst mit dazu beiträgt, dass das Theater nicht zu einer bedeutungslosen Unterhaltungsmaschine im Plastezeitalter verkommt.

Für diese Möglichkeit der Würdigung bin ich den Preisstiftern sehr dankbar.

Lisa Schützenberger gehört nun bereits in der dritten Spielzeit zum Schauspielensemble des Staatstheaters Cottbus und wirkte seitdem in acht Inszenierungen mit.

Ich habe sie in ihrer ersten großen Rolle in Cottbus als Medea in einer beeindruckenden Inszenierung von Mario Holetzeck gesehen, dem ich auf diesem Wege noch einmal danken kann für diesen außergewöhnlichen Fund.

Ich sah sie als Abigail in Millers „Hexenjagd“ unter der Regie von Andreas Nathusius und auch als Gräfin Orsina in Lessings „Emilia Galotti“, inszeniert von Jan Jochymski. Und auch wenn es sich bei allen drei Frauenfiguren um enttäuschte und in ihrer Liebe verschmähte Frauen handelt, die Darstellung ihres bewegten Innenlebens durch Lisa Schützenberger ist so verschieden, dass man sie nicht verwechseln kann.

Ich selbst hatte erst mit dem Stück „Onkel Wanja“ das Vergnügen, sie auch in der Arbeit kennenzulernen. Ein äußerst inspirierender Vorgang – für beide Seiten. Mit ihrer Figur der Jelena Andrejewna ist ihr ein tragisch-komisches Porträt einer lebenshungrigen jungen Frau gelungen, die als strahlender Mittelpunkt einer von Trägheit verseuchten Gesellschaft vor unseren Augen verlischt.

Ihre Frauenfiguren können kokett und verspielt und im nächsten Moment furchterregend und geheimnisvoll sein. Komisch und naiv, hemmungslos und liebevoll, besitzergreifend oder auch überkandidelt. Vor allem aber unberechenbar. Der Facettenreichtum und die Lebendigkeit ihrer Darstellungsmöglichkeiten sind schon jetzt ziemlich beeindruckend.

Tanzend, singend, spielend. Sie kann auf jedes erdenkliche Mittel wie selbstverständlich zugreifen. Ich wünschte, ich hätte etwas von ihrer Freiheit auf der Bühne – gerade jetzt, in diesem Moment.

Ein Rohdiamant, der mir wertvoller ist, als sein geschliffenes Pendant in einer teuren Schaufensterauslage.

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Lisa Schützenberger als Medea in Tom Lanoyes Schauspiel „Mamma Medea
Lisa Schützenberger als Medea in Tom Lanoyes Schauspiel „Mamma Medea" © Marlies Kross
Lisa Schützenberger als Medea in Tom Lanoyes Schauspiel „Mamma Medea
Lisa Schützenberger als Medea in Tom Lanoyes Schauspiel „Mamma Medea" © Marlies Kross
Lisa Schützenberger als Jelena Andrejewna in „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow © Marlies Kross
Lisa Schützenberger als Jelena Andrejewna in „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow © Marlies Kross
Lisa Schützenberger in
Lisa Schützenberger in "Terra in Cognita" (U) © Marlies Kross
Lisa Schützenberger als LuzBe Kasper im Theaterjahrmarkt „König Kasper Kann Immer“ (U) von Albrecht Hirche © Marlies Kross
Lisa Schützenberger als LuzBe Kasper im Theaterjahrmarkt „König Kasper Kann Immer“ (U) von Albrecht Hirche © Marlies Kross

Lisa Schützenberger ist eine großartige und äußerst temperamentvolle junge Schauspielerin, die mit ihren Rollen schlafen geht und wieder aufsteht. Keine Minute bleibt ungenutzt, um über die gerade verlassene Probe zu reflektieren. Bereits Gefundenes wird erneut in Frage gestellt. Ihr Denken gleicht einem sprudelnden Quell, in welchem man tiefschürfendes Nachdenken über sich und die Welt genauso findet, wie die kreischende Lust an Nebensächlichkeiten.

Ich hatte in unseren Gesprächen oft das Gefühl unter einem Wasserfall von Eindrücken und Gedanken zu stehen. In diesen Momenten scheint sie ein Rausch der Kommunikationslust zu erfassen. Nun glaube aber niemand, man kenne sie besonders gut, weil man einmal nass geworden ist. Das Kennenlernen hört ja gar nicht auf. Ehrlich, unverfälscht, pur, voll von leidenschaftlicher Spiellust, angstfrei und geradezu schamlos. Immer bereit, alles zu geben.

Von diesem hohen Energielevel profitieren nicht nur Regisseure und Regisseurinnen, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne. Mit ihr zu spielen muss eine wahre Freude sein! Ihre maßlose Neugier wird besonders deutlich, wenn sie fünf Wochen vor der ersten Probe beginnt, mit Kollegen intensive Gespräche über ihre Figur zu führen. Das kann auf dem Nachhauseweg nach den Proben mit stundenlangen Zwischenstopps an Straßenecken und Ampeln passieren oder während sie einen von der Fäulnis befallenen Baum umarmt!

Dem hohen Maß an Intensität, mit dem sie lebt und arbeitet, kann man sich nicht entziehen und durch ihre strahlende Präsenz reißt sie andere Menschen mit und lässt den sprichwörtlichen „Funken“ spielend auf das Publikum überspringen!

Die Entwicklung, welche die Schauspielerin Lisa Schützenberger in kurzer Zeit am Staatstheater Cottbus genommen hat, ist beachtlich. Ihr großes Talent, ihr unermüdliches Erforschen ihrer Figuren und ihre Offenheit für unterschiedlichste Regieansätze lassen die Arbeit mit ihr dabei zum Vergnügen werden und sind eine erfreuliche Bereicherung für das Ensemble.

Ich habe absichtlich auf den biographischen Datenabriss in diesem begrenzten Zeitfenster verzichtet, denn einzig und allein das Ereignis Lisa Schützenberger, ob auf der Bühne oder außerhalb davon, ist die Worte wert, die wir hier verlieren!

Wir alle freuen uns darauf, ihre weitere Entwicklung zu beobachten und als Zuschauer oder als Kollege daran teilzuhaben!

Nur ein Blinder könnte glaubhaft behaupten, Lisa Schützenberger kam auf die Bühne und er hat es nicht bemerkt. Aber ich bin gern bereit, mit Ihnen gemeinsam die Probe aufs Exempel zu machen. Hier und jetzt.

Einen herzlichen Applaus für Lisa Schützenberger.

Laudatio von Jo Fabian
Schauspieldirektor am Staatstheater Cottbus

 

 

Thorsten Coers, Opernchorsänger am Staatstheater Cottbus

Thorsten Coers, Opernchorsänger am Staatstheater Cottbus

Thorsten Coers

Karl-Newman-Förderpreisträger 2018

Sie haben mich gerade vom Dirigenten- zum Rednerpult förmlich „schweben“ sehen, und da ich nun hier stehe, kann das nur bedeuten, dass der diesjährige Karl-Newman-Förderpreis irgendetwas mit dem Opernchor des Staatstheaters zu tun haben muss. Ich habe übrigens bewusst den Terminus „schweben“ gewählt, weil es für mich eine große Freude ist, endlich, nach 21 Jahren Max Grünebaum-Stiftung, die Damen und Herren des Opernchores in den Mittelpunkt des Geschehens rücken zu können.

Die Frage, warum dieser wunderbare und bedeutungsvolle Preis so lange am Opernchor quasi „vorbeigegangen“ ist, kann man natürlich durchaus stellen: Schließlich ist der Opernchor eine der tragenden Säulen des Musiktheaters und nach dem Orchester die zweitgrößte Sparte. Ein Premierenbesucher raunte mir nach der erfolgreichen Premiere einer berühmten Oper heimlich und unerkannt zu: Naja, die Oper drum herum wäre ja ganz nett, aber die herrlichen Chöre … Die seien für ihn der Hauptgrund für einen Theaterbesuch …

Vielleicht liegt der Grund der chorischen Grünebaum-Abstinenz auch einfach in der Schwierigkeit, bei einem Ensemble von 33 Damen und Herren einen würdigen Preisträger zu erkennen.

Das, meine Damen und Herren, war wirklich ein Problem und ich kann sagen, dass die Entscheidung sehr schwer fiel. In Zeiten der Grippe-Epidemie kann es durchaus vorkommen, dass der Chordirektor bei der Probe mit dem Satz empfangen wird: „Herr Möbius, ich bin der letzte zweite Chortenor des Landes Brandenburg!“ Da wird deutlich, dass der Beruf Opernchorsänger zur Gattung der aussterbenden Berufe in unserem Bundesland gehört. Es gibt in Brandenburg nämlich nur noch einen professionellen Berufschor, unseren Opernchor! Für mich ein Grund mehr, unsere Arbeit mal ein wenig näher zu beleuchten. Der Opernchor besteht aus 33 hochschulstudierten Sängerinnen und Sängern aus insgesamt sieben Nationen.

Während der Proben im Chorsaal wird das jeweils neue Stück durch die Chorleitung  einstudiert. Ein Chorensemble sollte aus sehr verschiedenen und unterschiedlichen Stimmen bestehen. Diese gilt es, in einer Art „Klangregie“, zu einem Gesamtklang zu fügen. Wenn dieser erste Prozess abgeschlossen ist, gibt es die Begegnung mit allen beteiligten Solisten und dem stückführenden Dirigenten. Danach beginnen die szenischen Proben auf der Bühne. Nun gilt es, die erworbenen musikalischen Erkenntnisse und Absprachen auf der Szene umzusetzen. Dabei wird schnell deutlich, dass erst einmal alles, aber wirklich alles anders ist. Da muss der Chor nach hinten abgehend singen, kann also den Dirigenten nicht sehen, da liegt er in einer dunklen Ecke auf der Bühne herum, da muss er innerhalb kürzester Zeit eine schwindelerregend hohe Treppe mit zu engen Stufen herunterrennen, und das im Prestissimo mit 60 Menschen gleichzeitig!!! Machen Sie doch zu Hause mal einen Selbstversuch: Setzen Sie sich mit Ihrer Frau rittlings auf zwei Küchenstühle, reiten auf diesem durch die Küche, lassen sich dabei von Ihrem Nachbarn dirigieren, und singen dazu, aber bitte schnell und im Takt, „Im Frühtau zu Berge …“  – oder Verdis dritten Hexenchor aus Macbeth.

Und dabei wollen Sie als Zuschauer ja nicht nur eine uniforme Masse auf der Bühne erleben, sondern natürlich individuelle, lebendig spielende Chorsänger. Das ist also vielleicht das Chor-Geheimnis: aus den verschiedenen Stimmen und Charakteren ein großes Ganzes schaffen und dabei Raum für Eigenheiten, Besonderheiten, individuelle Stärken lassen. Der Opernsänger trägt Verantwortung für sich, der Opernchorsänger muss immer auf seine Mitsänger reagieren und achten.

Lassen Sie mich zum künftigen Preisträger kommen: Er ist ein freundlicher und sehr intelligenter Kollege, streitsam, mit eigener Meinung, stets gut vorbereitet und motiviert, hilfsbereit, kollegial, vielseitig interessiert und trotz aller dieser positiven Eigenschaften ein Tenor. Er studierte in Köln zunächst Musikwissenschaft und Germanistik, bevor er sich der ausübenden Musik zuwandte und bei Kammersänger Armin Ude in Dresden das Tenorfach studierte.

Übrigens: Armin Ude, ein begnadeter lyrischer Tenor, begann hier auf dieser Bühne, hier in Cottbus, seine Theaterlaufbahn, weitere Stationen waren unter anderem die Semperoper und die Staatsoper Berlin. Es ist nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen dem Preisträger und dem Chordirektor: Armin Ude war einer der wichtigsten Sänger meiner Knabenchorzeit im Dresdner Kreuzchor. Was für ein emotionales Erlebnis, hier im Dezember 1992 gemeinsam mit ihm auf dieser Bühne zu stehen und Mendelssohns ELIAS zu musizieren.

Schon bald konnten Herrn … wegen seiner darstellerischen und musikalischen Fähigkeiten solistische Aufgaben/Rollen anvertraut werden, die er mit großem Einsatz meisterte. Natürlich wird ein Sänger des Opernchores nicht eine Partie wie den Calaf in „Turandot“ singen, aber ich vermute, dass einige seiner Rollen trotzdem bei Ihnen „angekommen“ sind: In der Operette „Gräfin Mariza“ sprang er kurzfristig als Diener Penicek ein und vollbrachte das Wunder, der schon sehr komischen „Durchlaucht“ Carola Fischer die Show zu stehlen. Auch im vielbesuchten „Wirtshaus im Spessart“ amüsiert man sich köstlich über seinen wunderbaren Grafen von und zu Sandau, der am liebsten seine Dukaten zählt und froh ist, seine aufmüpfige Tochter endlich loszuwerden. In „Jekyll & Hyde“ gab er mit der Prostituierten Nelly vielleicht eine nicht ganz so typische Tenorpartie. Als mehrere Vorstellungen von „Sekretärinnen“ aus Krankheitsgründen „wackelten“, konnte er innerhalb von nur drei Tagen für die einzige männliche Rolle im Stück einspringen, in die „Höhle der Löwinnen“ sozusagen, und die Vorstellungen „retten“. Denn es gibt für uns kaum Schlimmeres, als Sie, das Publikum, ersatzlos nach Hause schicken zu müssen.

Ich erwähnte vorhin Gemeinsamkeiten: Offensichtlich besteht zwischen uns eine gewisse optische Ähnlichkeit, die schon ab und an zu lustigen Verwechslungen führte. Verschiedentlich reagierte er auch schon auf „Hallo Herr Möbius“ und sollte Partituren von der Pforte mit nach Hause nehmen oder gar Urlaubsgesuche unterschreiben. Dafür habe ich in seinem Frack schon ein Konzert dirigiert und mit ihm gemeinsam und mit großer Freude in der Reihe „Alte Musik in Sielow“ Motetten von Heinrich Schütz gesungen. Danach schickte ihn meine Frau übrigens mit den Worten in den Keller: „Christian, hole doch bitte noch eine Flasche Wein …“ Aber er kann nicht nur komisch sein! Sein Narr in „Wozzeck“ von Alban Berg war von beängstigender Schlichtheit und Einfachheit. Eine Rolle genau auf dem Punkt, hin- und hergerissen zwischen Entsetzen, Lüsternheit, Betroffenheit und Mitgefühl. Oder als Lehrer in der „Flüchtlingsoper“ in der Kammerbühne des Staatstheaters.

Apropos Lehrer! Vor Sinnkrisen ist ja niemand geschützt und so kam es, dass er, der ja auch Germanistik studiert hat, einen Ausflug ins Berliner Pädagogen- und Schulleben wagte. Wir alle waren traurig, ihn an die Hauptstadt zu verlieren. Nach circa vier Wochen klingelte bei mir das Telefon und am anderen Ende war der (Zitat): „traurigste ehemalige zweite Chortenor, den das Land Brandenburg je hatte“ und ob er nicht wieder zurückkönnte. Er konnte. Wir waren erleichtert …!!!

Ich bin froh und auch ein bisschen stolz, dass 2018 der Karl-Newman-Förderpreis an ein Mitglied des Opernchores geht und gratuliere von Herzen dem (wahrscheinlich glücklichsten) zweiten Chortenor des Landes Brandenburg: Thorsten Coers.

Laudatio von Christian Möbius                                                                                                          Chordirektor und 2. Kapellmeister am Staatstheater Cottbus

 

 

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Thorsten Coers als Lehrer in der Kinderoper „Der Flüchtling“ © Marlies Kross
Thorsten Coers als Lehrer in der Kinderoper „Der Flüchtling“ © Marlies Kross
Thorsten Coers als Graf Sandau in der musikalischen Räuberpistole „Das Wirtshaus im Spessart“ © Marlies Kross
Thorsten Coers als Graf Sandau in der musikalischen Räuberpistole „Das Wirtshaus im Spessart“ © Marlies Kross

 

 

 

Dr.-Ing. René Rietz

René Rietz

Max-Grünebaum-Preisträger 2018

 

Es gilt heute eine Arbeit auszuzeichnen, die sich mit einem Thema auseinandersetzt, von dem wir letztendlich alle betroffen sein können. Es geht um schädliche Aktivitäten in Netzwerken: ob im World Wide Web, im privaten Umfeld, in Firmennetzwerken, bei öffentlichen oder kommunalen Versorgern, in administrativen Einheiten insgesamt. Die Folgen von Angriffen gegen ein Computersystem oder ein Rechnernetz können zum Teil extrem sein, weswegen die Angriffserkennung in Netzwerken schon immer ein heißes Thema war, zu dem auch schnelle Fortschritte gemacht wurden.

Dabei wurden physische Angriffe durch Innentäter in der öffentlichen Wahrnehmung als bedeutende Bedrohung für IT-Systeme wahrgenommen, obwohl die größten Gefahren auch weiterhin in Angriffen von entfernten Angreifern über das Netz bestehen.

Dementsprechend war und ist es ein etablierter Ansatz, Angriffe auch direkt an der Netzwerkschnittstelle zu entdecken. Aus diesem Ansatz ist ein ganzes Teilgebiet der IT-Sicherheit entstanden – das der Netzwerk-Einbruchserkennungssysteme – network intrusion detection systems (kurz: NIDS), wofür es bereits praxistaugliche Lösungen gibt. Diese werden in der Regel in Ergänzung zu Firewalls eingesetzt, um Einbrüche im Internet zu erkennen und abzuwehren. Trotzdem gibt es hierzu weiterhin Optimierungsbedarf, dem sich der heute Auszuzeichnende in seinen Untersuchungen umfangreich gewidmet hat.

Herr Dr.-Ing. René Rietz, geboren in Cottbus, studierte zunächst im Bachelor- und Masterstudiengang Informations- und Medientechnik und begann im Jahr 2009 seine Tätigkeit als akademischer Mitarbeiter an der BTU.

Er hat sich in seiner Dissertation mit der Optimierung des Einsatzes von Netz-Intrusion-Detection-Systemen (NIDS) beschäftigt, die eine der wichtigsten Formen der Beobachtung von Netzaktivitäten im Internet bilden. In der jüngsten Vergangenheit hatte sich das Thema rund um Netzwerk-Einbruchserkennungssysteme wieder etwas abgekühlt. Umso überraschender ist es, dass Herr Dr.-Ing. René Rietz es trotzdem geschafft hat, neue und tiefgreifende Ergebnisse auf diesem Teilgebiet zu erzielen. Er hat dafür insbesondere ein neues Architekturkonzept entwickelt, das es gestattet, den Analysedurchsatz signifikant zu erhöhen, um damit dem ständig steigenden Datenaufkommen im Internet gerecht zu werden.

Des Weiteren hat er eine Reihe von Verfahren zur Abwehr konkreter Angriffe, z. B. in lokalen Netzen und im World Wide Web, erarbeitet, die gegenwärtig die wichtigsten Angriffspunkte im Internet darstellen. Für seine Forschungsergebnisse zur Abwehr von Angriffen über das World Wide Web wurde er deshalb zusammen mit Kollegen für den Sicherheitspreis im Jahr 2016 nominiert.
Kurz zur Arbeit selbst: Diese ist sowohl theoretisch wie auch praktisch orientiert:

Das heißt, es werden die relevanten Probleme adressiert, neuartige und substantiell innovative Lösungen entwickelt und diese in der Praxis evaluiert. Herr Rietz hat sich letztendlich mit drei Themen auseinandergesetzt und entsprechend dazu Lösungsansätze vorgeschlagen, von denen jeder eigene einen promotionswürdigen Ansatz darstellt. Die erzielten Leistungssteigerungen und die erhöhte Funktionalität von Netzwerk-Einbruchserkennungssystemen wurden dann in umfangreichen Experimenten nachgewiesen.

Die Arbeit ist aufgrund dieser fundierten Erprobung praktischer Ideen besonders wertvoll. Aufgrund ihrer Struktur, der Bebilderung und der großen Menge an evaluierter Fachliteratur ist sie zudem sowohl als Nachschlagewerk als auch als ein Einstieg in das Themenfeld in ausgezeichneter Weise geeignet.

Man kann zusammenfassen, dass es Herrn Rietz in seiner Dissertation hervorragend gelungen ist, eine sehr komplexe und komplizierte Problematik zu bearbeiten und aufbauend auf einem tiefen Sachverstand und detaillierter Systemkenntnis substantiell innovative Lösungsansätze zu entwickeln. Die Aktualität seiner Arbeiten wird durch fünf internationale Publikationen und zwei Journal-Beiträge unterstrichen. Es ist darüber hinaus zu betonen, dass die Thematik der Dissertation durch Herrn Rietz völlig eigenständig entwickelt und bearbeitet wurde, was ihm eine hohe Anerkennung unter den Kollegen und in der Fach-Community eingebracht hat.

Die Dissertation konnte final auf Grundlage der Gutachten von Herrn Prof. König von der BTU – der auch der Doktorvater der prämierten Arbeit ist –, von Herrn Prof. Freiling von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg und von Herrn Prof. Dressler vom Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn mit dem Prädikat summa cum laude bewertet werden.
Das Außergewöhnliche der wissenschaftlichen Leistung von Herrn Rietz an der BTU Cottbus-Senftenberg bestand neben einer guten Lehrtätigkeit, dem Verfassen einer ausgezeichneten Dissertation sowie dem Schreiben mehrerer Fachartikel in einer hohen Drittmittelakquise. Bestimmt durch die Ideen von Herrn Dr.-Ing. Rietz und unter seiner maßgeblichen Beteiligung an der Ausfertigung der Anträge konnten Drittmittel im Umfang von über 1,5 Millionen EUR für die BTU eingeworben werden.

Mit diesen Aktivitäten, die auch zu zahlreichen interessanten Industriekontakten des Lehrstuhls geführt haben, haben Sie, Herr Rietz, einen bedeutenden Beitrag zur Forschungsleistung des Lehrstuhls Rechnernetze und Kommunikationssysteme und der BTU insgesamt erbracht. Hervorzuheben ist auch Ihre wissenschaftliche Produktivität. Aufgrund Ihres umfangreichen Detailwissens waren und sind Sie ein gefragter Diskussionspartner.

Sie haben zudem frühzeitig Methoden des maschinellen Lernens in die Forschung des Lehrstuhls eingeführt, die aktuell aktiv in einem weiteren Promotionsvorhaben weitergeführt werden.

Bestimmt haben Ihnen, Herr Rietz, auch Ihre spirituellen Tätigkeiten, wie die Wanderung auf dem Jakobsweg, dabei geholfen, zwischendurch wieder Kraft für Ihre Dissertation zu tanken und am Ende zu dieser hervorragenden Arbeit zu kommen! Ganz herzlichen Glückwunsch von meiner Seite und ich wünsche Ihnen auch in Ihrer neuen Tätigkeit außerhalb von academia weiterhin so viel Erfolg!

Laudatio von Prof. Dr. rer. nat. Katrin Salchert
Vizepräsidentin für Wissens- und Technologietransfer und Struktur (BTU)

 

 

Dr.-Ing. Michael Hoff

Michael Hoff

Max-Grünebaum-Preisträger 2018

Stewartson-Schichten, Trägheitswellen und Welleninstabilitäten in einer Kugelspaltströmung: Laborexperimente mit vollem optischen Zugang.

Ich werde mich durch die Klärung eines Teils des Titels an die sehr anspruchsvolle Aufgabe dieser Dissertation herantasten. Und Sie werden merken, selbst das ist eigentlich nicht möglich. Ich werde es dennoch versuchen.

Und fange mit der Kugelspaltströmung an: Sie haben zwei Kugelschalen, die ineinander liegen – wie zwei Matroschka-Figur. Und zwischen den Schalen ist ein Zwischenraum. Das ist die Kugelspalte. Und diese Spalte ist gefüllt mit Gas oder einer Flüssigkeit. Die Erforschung der Kugelspaltströmung betrachtet somit die Strömung eines Gases oder einer Flüssigkeit zwischen zwei ineinander liegenden Kugelschalen.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Kugelschalen denken? Richtig, das erinnert an den Aufbau von Planten – Flüssiger Kern und Kernmantel – Auch unser schöner blauer Planet Erde besteht aus ineinander liegenden Kugelschalen. Und die Strömungen in den Zwischenräumen sind die Bewegungen in der Atmosphäre, der Meere und Ozeane oder auch die Strömungen im Erdinnern.

Gehen wir einen Schritt weiter: Wie entstehen diese Strömungen? – Die Bewegungen der Ozeane oder auch der Atmosphäre wird unter anderem durch Temperaturunterschiede zwischen Innen- und Außenkugel hervorgerufen. Das ist auf den ersten Blick einleuchtend und wird uns in der Schule auch gerne bei der Erklärung von Wind und Wetter beigebracht. Das kennen Sie. Daneben gibt es aber auch Strömungen, die durch die Rotation der Kugelschalen – also beispielsweise der Erdrotation selber – entstehen. Ein Beispiel – Ich habe mal gelernt, dass Passatwinde auch mit der Erdrotation zusammenhängen und nicht nur thermisch bedingt sind.

Und jetzt stecken wir mitten im Thema der Arbeit von Herrn Hoff. Wenn sich die Erde oder andere Planeten um ihre eigene Achse drehen – vereinfacht dargestellt –, entstehen Strömungen und Wellen im Innern der Erde, den Meeren oder der Luft, die eine höchst komplexe Dynamik aufweisen können.

Warum ist das so interessant für uns? Denken Sie an Ihr Frühstücksei heute morgen. Woran erkenne ich, ob ich ein rohes oder hartgekochtes Ei vor mir habe? Drehen Sie es wie einen Kreisel um die eigene Achse. Das noch flüssige Ei bewegt sich ganz anders bei der Rotation als ein hartgekochtes Ei. Probieren Sie es aus. Das hartgekochte Ei dreht gleichmäßig, während das noch flüssige Ei sichtbar vor sich hin taumelt – hervorgerufen durch den noch flüssigen Kern, der durch Schwingungen und Trägheitsmomente eine gleichmäßige Rotation verhindert.
Und jetzt wissen Sie auch, warum wir wissen, dass der Planet Merkur einen flüssigen Kern besitzen muss.

Sehr vereinfacht zusammengefasst: Es geht bei der Arbeit von Herrn Dr. Hoff um rotierende Planeten mit inneren und äußeren Schichten und jeweiligen Zwischenräume. In diesen mit Flüssigkeit oder Gas gefüllten Zwischenräumen entstehen aufgrund der Rotation und der damit ausgelösten Schwingungen Trägheitswellen, die mehr oder weniger „instabil“ sind und bei schnellen oder auch gegenläufigen Rotationsbewegungen sehr „turbulent“ sein können.

Und wenn wir diese Mechanismen kennen, können wir besser verstehen, wie Meeresströmungen entstehen oder auch wie atmosphärische Bewegungen und die Erdrotation Wind und Wetter mit beeinflussen.

Herr Hoff hat sich diesen Fragestellungen theoretisch, methodisch und experimentell gewidmet. Vor allem seine herausragenden Fähigkeiten der Verbindung zwischen Theorie, Experiment und bildbasierter Auswertung sind hier hervorzuheben.

Herr Dr. Hoff arbeitete – unterstützt durch seine zwei Betreuer Prof. Egbers und Prof. Harlander – an einem Versuchsaufbau, der bereits seit vielen Jahren zum Einsatz kommt und immer wieder zu herausragenden Forschungsarbeiten führte. Dieser Versuchsaufbau nennt sich Kugelmodell, ist eine kleine „Mini-Erde“ und wurde auch zum Laborexperiment, das unsere Cottbuser Kollegen mit auf die Raumstation ISS schicken konnten.

Zu Ihrer Person Herr Hoff:

  • Sie sind 32 Jahre alt.
  • Sie studierten in Leipzig Meteorologie (Bachelor und Master) und schlossen Ihren Master 2012 mit einer gemeinsam in Leipzig und in Cottbus betreuten Arbeit ab.
  • Kollege Harlander entdeckte Sie und Ihr Talent gemeinsam mit Kollege Egbers und holten Sie als Doktorand an die BTU nach Cottbus.
  • Es sind tolle Publikationen in mehreren namenhaften internationalen Fachzeitschriften während Ihrer Promotion an der BTU entstanden.
  • Sie schlossen Ihre Arbeit im September 2017 an der BTU ab. Ihre Gutachter waren begeistert und beurteilten die Arbeit als hervorragend mit summa cum laude.

Gutachter und Kollegen beschreiben Sie als einen sehr offenen und engagierten Mitarbeiter und Diskussionspartner, der seine Forschungsziele immer klar definiert und diese mittels einer gründlichen Analyse und sehr sorgfältig angelegten Experimenten auch immer erreichen konnte.
Herr Dr. Hoff arbeitet seit März 2017 beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach und sitzt dort zusammen – die Welt ist klein – mit einem weiteren ehemaligen Doktoranden von Herrn Egbers in einem Büro. Dieser ehemalige Doktorand hat übrigens auch an der Mini-Erde promoviert.

Ich hoffe, dass Sie, Herr Hoff, nach der entbehrungsreichen Phase der Promotion nun auch wieder mehr Zeit haben für Ihre Leidenschaften Heavy Metal und Billard.

A propos Billard: Herr Hoff hat seinem Doktorvater einmal verraten, dass er sich gar nicht vorstellen wolle, wie schwierig das Billardspielen mit flüssigkeitsgefüllten Kugeln wäre. Vielleicht tut sich hier ein neues Forschungsfeld auf, in dem Sie Theorie, Experiment und Freizeit gleichermaßen integrieren können.

Ich wünsche Ihnen, Herr Hoff, dass Sie sowohl beruflich als auch privat Ihre Ziele weiterhin so erfolgreich erreichen wie bisher. Herzlichen Glückwunsch zum diesjährigen Max-Grünebaum-Preis!

Laudatio von Prof. Dr. rer. pol. Christiane Hipp                                                                                          Hauptberufliche Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs und Amtierende Präsidentin (BTU)

 

 

Philip Putze

Philip Putze

Ernst-Frank-Förderpreisträger 2018

Der Ernst-Frank-Förderpreis geht in diesem Jahr an Philip Putze. Der Preis beinhaltet ein Stipendium für die Durchführung des praktischen Studiensemesters an der University of York. Philip Putze studiert im Bachelor-Studiengang Angewandte Chemie. In seinem bisherigen Studium zeigt er durchgehend gute bis sehr gute Leistungen. Zudem überzeugt er durch eine versierte Laborarbeit und eine überaus interessierte und engagierte Mitarbeit in Lehrveranstaltungen. Dabei zeichnet sich Philip Putze durch ein tiefgehendes Verständnis der allgemeinen Prinzipien des Aufbaus der Materie, der Konzepte der chemischen Bindung und des Verlaufs chemischer Gleichgewichte aus. Er versteht es, die grundlegenden Konzepte sicher auf konkrete Stoffsysteme der anorganischen Chemie anzuwenden. Auf diese Weise gelingen ihm bereits in dieser frühen Phase des Studiums genaue Beschreibungen des Verlaufs chemischer Reaktionen. Über den Lehrstoff hinaus zeigt er einen offenen Blick für Bezüge der Chemie zu aktuellen umwelt- und gesellschaftspolitischen Themen.

Lisa Schützenberger als Medea in Tom Lanoyes Schauspiel „Mamma Medea“
© Marlies Kross