Dr. Antje Mues, Sophie Werdin, Gunnar Golkowski, Prof. Corinna Rohn, Birgit Mache, Weinina Weilijiang

Preisträger 2008

Die Max Grünebaum-Stiftung würdigte am Sonntag, 5. Oktober 2008, in Cottbus junge Künstler des Staatstheaters Cottbus und Nachwuchswissenschaftler der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) mit jeweils zwei Max Grünebaum-Preisen und je einem Förderpreis.

 

Weinina Weilijiang - Tänzerin

Weinina Weilijiang – Tänzerin

Weinina Weilijiang

Max-Grünebaum-Preis

Die Max-Grünebaum-Preisträgerin 2008 wird am 21.09.1982 in Urumtschi geboren. Urumtschi ist die Hauptstadt des Uigurischen Autonomen Gebietes in der VR China.

Ihr Vater ist Richter am Obersten Gericht in Xinjiang. Ihre Mutter arbeitet als Abteilungsleiterin in einer Leichtmetallfabrik. Der spätere Beruf ist ihr also nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden.

In der sechsten Klasse, also mit 12 Jahren, sieht sie zum ersten Mal in einem Theater ein klassisches Ballett und die Begeisterung ist so groß, dass sich unsere Preisträgerin an der Kunsthochschule, Abteilung Tanz, ihrer Heimatstadt bewirbt und auch aufgenommen wird.

Sie sagt später selbst:

„An diesem Tag begann mein Tanzleben.“ Dem Abitur 1998 folgt ein Aufbaustudium an der Musikhochschule Shenjang, die als eine der berühmtesten Tanzhochschulen Chinas gilt. Nach dem Studium wird sie als Tänzerin und Assistentin an das Theater ihrer Heimatstadt Urumtschi engagiert. Das Repertoire dieses Hauses umfasst die großen abendfüllenden Klassiker des Balletts wie SCHWANENSEE, DORNRÖSCHEN oder GISELLE, aber auch moderne Tanzabende.

Nach einem Jahr hört sie von ihrer Schwester, die zu dieser Zeit bereits in Deutschland arbeitet, dass es genau hier, nämlich in Dresden eine Tanzhochschule namens „Palucca“ gibt. Aus Neugier und Interesse an der europäischen Tanz- und Kulturtradition allgemein, gepaart natürlich auch mit etwas Fernweh, bewirbt sie sich bei eben jener Palucca-Schule und wird zu einer Aufnahmeprüfung eingeladen. Mit zwei Koffern und einem Wörterbuch Chinesisch – Deutsch steht sie im Dezember 2002 plötzlich auf dem Dresdener Hauptbahnhof.

Die Dozenten der Palucca-Schule scheint sie zu überzeugen. Sie wird ab Januar 2003 ins laufende Schuljahr immatrikuliert. Bis Juli 2006 heißen die Unterrichtsfächer wieder klassischer Tanz, Modern, Jazzdance, Pas de Deux, Improvisation und natürlich Deutsch. Schon im Jahr 2004 gastiert sie, noch als Studentin, in einer SCHWANENSEE-Inszenierung des Theaters Magdeburg (Choreographie Irene Schneider). Ihr Hochschuldiplom besteht sie 2006 mit „sehr gut“. In derselben Zeit bin ich als neu engagierter Ballettmeister dabei, eine neue Kompanie aufzubauen. Unsere Preisträgerin erhält eine Einladung zum Vortanzen ans Staatstheater Cottbus, überzeugt dabei und ist ab 1. August 2006 Ensemblemitglied unseres Balletts.

Der Choreograph Winfried Schneider, der zu dieser Zeit seinen Ballettabend ROMANCE DE BARRIO einstudiert, sieht sie und gibt ihr sofort die weibliche Hauptrolle. Und es sollen weitere folgen:

DIE KLEINE MEERJUNGFRAU oder in der heutigen Premiere EIN TAG BEI NORMA – VERSUCHE VOM GLÜCK die Norma, beides in der Choreographie von Thorsten Händler.

Aber auch in anderen Produktionen unseres Hauses erfüllt sie ihre Rollen ausgezeichnet. Genannt seien hier nur ein Kit Kat Girl in CABARET, eine Grisette in DIE LUSTIGE WITWE, die Terpsichore in MUSEN IM RAUSCH, die Kellnerin in „WELCOME, MR. GERSHWIN“ und als Ensemblemitglied unter anderem in DER BETTELSTUDENT, SIND DIE LICHTER ANGEZÜNDET oder DER STURM.

Liebe Preisträgerin, tanzen ist auch immer eine Kopfsache. Nur körperliche Voraussetzung reichen für diesen Beruf heute schon lange nicht mehr aus. Ich schätze dich als zuverlässige Partnerin und Kollegin mit Teamgeist, der gerade in einem kleinen Ensemble sehr wichtig ist. Ich freue mich auf jeden Tag unserer Zusammenarbeit, auch weil du, wenn du gerade nicht tanzt, immer mit beiden Beinen am Boden geblieben bist.

Bodenständigkeit, Fleiß und der unbedingte Wille für unsere Sache zeichnen dich aus. Du stehst erst am Anfang, aber ich hoffe, dass wir noch viele spannende Arbeiten zusammen erleben werden und wünsche dir, dass du auch in Zukunft mit vielen interessanten Choreographen arbeiten wirst.

Ta shi wo nien de wu dao yan yuan.

Der Max Grünebaum-Preis 2008 geht an die Tänzerin Weinina Weilijiang.

Dirk Neumann, Ballettmeister am Staatstheater Cottbus

 

Gunnar Golkowski - Schauspieler

Gunnar Golkowski – Schauspieler

Gunnar Golkowski

Max-Grünebaum-Preis

Der in Bergisch Gladbach geborene Schauspieler begann im Sommer 2002 sein Engagement am Staatstheater Cottbus.

Vielleicht war es seine große Liebe zum Zirkus, die ihn dazu bewogen hatte, von 1996 bis 2000 an der „Schule des Theaters“ im „Theater der Keller“ in Köln Schauspiel zu studieren?

Und so fand der junge Schauspieler sein erstes Engagement zwar nicht in einem Zirkuszelt à la „Zirkus Krone“, sondern für zwei Jahre an der Neuen Bühne Senftenberg. Dort war er u. a. als Faust in „Faust I“ und „Faust II“ zu erleben.

Seit 2002 spielt er nun auf der Bühne des Cottbuser Staatstheaters und bewies mit den verschiedensten Rollen seine große emotionale Leidenschaft und darstellerische Vielseitigkeit.

Er war unter anderem …

  • der Feldprediger in „Mutter Courage“,
  • ein sinnlicher, kräftiger, wilder Oberon im “Sommernachtstraum”,
  • ein verschrobener Osvald in „Bungee Jumping“
  • ein verzweifelter, melancholischer Andrej in „Drei Schwestern“,
  • ein um seine Tochter kämpfender Miller in “Kabale und Liebe”,
  • ein geduldiger Shylock in “Kaufmann von Venedig”, der sich in einen entschlossen Radikalen wandelt und am Ende gebrochen und mühsam um Fassung bemüht den Gerichtsaal verließ.

Er ist …

  • der ehrliche, verwunderte Pensionsbesitzer Giles in „Die Mausefalle“ und ein trauriger Kasimir in „Kasimir und Karoline“
  • der strenge, eiskalte Geizkragen Scrooge in “A christmas carol”, der sich für Momente in ein tobendes Kind oder einen verliebten jungen Mann verwandelt, der Angst hat, der kämpft und der schließlich sein Herz wieder entdeckt
  • Er ist Gavin in „Ladies Night“, der mit seiner den Filmen abgeguckten Coolness hart in der Realität landet und bald darauf seinen verklemmt-tänzerischen Ambitionen freien Lauf lässt – wie auch seiner zarten Liebe
  • der Tanzlehrer Michael in “Sechs Tanzstunden in sechs Wochen”, der nicht nur wunderbar tanzen, sondern auch ein herrlich freches Mundwerk vorweisen kann und der mit feinem Humor und großem Charme einer kranken alten Dame neuen Lebensmut zu schenken versteht.
  • Und er ist in der vorgestern stattgefundenen Uraufführung „Die Nebensächlichen“ der Bankkaufmann Karl, der verzweifelt nach Bestätigung und Achtung seiner Freunde schreit.

Gunnar Golkowski ist ein Schauspieler, der in jede neue Arbeit mit großer Neugier und vorbehaltloser Offenheit startet.

Er setzt sich engagiert auseinander mit den oftmals auch unbequemen Themen der Stücke und Figuren.

Seine Rollen zeichnet er mit Intelligenz und einer expressiven Körperlichkeit. Er ist ein immerwährend Suchender, der mit sich selbst hart in die Kritik geht. Er ist ein ehrlicher Kollege, der sich zu Wort meldet, der Haltung bezieht, und der auch dadurch zu einer wichtigen Persönlichkeit im Schauspielensemble geworden ist.

Martin Schüler, Intendant des Staatstheaters Cottbus

 

Birgit Mache

Birgit Mache – Sachbearbeiterin und Sekretärin der Dramaturgie und Leiterin des Theaterarchivs

Birgit Mache

Karl-Newman-Förderpreis

Den diesjährigen Karl Newman-Förderpreis erhält eine Frau. Und obwohl sie nicht selbst im RAMPENLICHT der Bühne steht, ist sie weit über die Grenzen von Cottbus bekannt geworden.

Obwohl sie ein ganzes Stück jünger ist als ich, die ich hier stehe, weiß sie über die 100-jährige Geschichte des Cottbuser Theaters bestens Bescheid.

Und obwohl sie eine sympathische, offene und selbstbewusste Frau ist, hört man immer wieder, dass sie gerne und erfolgreich „klatscht“„tratscht“, sondern „klatscht“ – und das auch noch mit Prominenten von nah und fern.

Die Rede ist von Birgit Mache, der Sachbearbeiterin und Sekretärin der Dramaturgie und Leiterin des Theaterarchivs.

In Forst geboren und in Pritzwalk (Prignitz) aufgewachsen, entwickelte sie bald den Wunsch, Lehrerin zu werden. Nach einem Pädagogikstudium an der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock unterrichtete sie – zurückgekehrt nach Forst – seit 1983 in den Fächern Geschichte und Deutsch. Birgit Mache ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Im Jahre 1993 begann sie ihre Tätigkeit als Dramaturgiesekretärin am Staatstheater Cottbus – und übernahm nach dem Ausscheiden von Hans-Hermann Liebrecht ab 1998 das Archiv des Staatstheaters. Ihr Faible für das akribische Erforschen von authentischem Material und von geschichtlichen Zusammenhängen kommt nunmehr dem Theater zugute. Birgit Mache – selbst an Kunstausübung interessiert – ist seit 1993 mit einigen Unterbrechungen Mitglied der Singakademie und seit 2006 im Vorstand des Fördervereins der Singakademie tätig. Kommen wir zu dem RAMPENLICHT zurück (das ich vorhin zitierte), in dem sie nicht als Akteurin, sondern auf dem sie als Autorin steht. Gemeint ist der BuchdeckeI IM RAMPENLICHT: Birgit Mache hat fünf Jahre lang (von 2003-2008) an dem als Festschrift konzipierten Buch zum Jubiläum des Staatstheater Cottbus gearbeitet. Am letzten Dienstag fand in der HERON-Buchhandlung die feierliche Buchpräsentation vor einem außerordentlich großen und interessierten Publikumskreis statt. Falls Sie dieses bereits auf dem ersten Blick so sehr ansprechende Werk noch nicht besitzen, können Sie es auch heute und hier im Foyer kaufen. Es ist sehr zu empfehlen!

Klar gab es auch Mitarbeiter und Helfer, aber die sollen heute einmal bewusst nicht genannt werden. Das Buch ist als Chronik konzipiert, die ab 1908 in Zeitschritten und nach 1945 Spielzeit für Spielzeit die Entwicklung des Theaters nachvollzieht. Es listet alle Künstler (seit 1945) und alle Mitarbeiter (der letzten 20 Jahre) auf, die mindestens ein Jahr im Theater tätig waren. Das zu recherchieren war bereits eine immense, arbeitsintensive Aufgabe.

Der Geschäftsführer der Druckzone Andreas Czentarra nannte beim öffentlichen Andruck das Buch IM RAMPENLICHT: ein „Jahrhundertwerk der Zeitgeschichte“. „Was für eine Titanenarbeit!“, bemerkte Klaus Wilke in der LR vom 27.8.2008, und schwärmte: „Was für eine Fundgrube!“
Die Autorin Birgit Mache versucht aber auch, Cottbuser Theatergeschichte als Spiegel der Zeitgeschichte zu erfassen. Und hier konnte sie wiederum eigene Interessengebiete verknüpfen: Die Freude an Literatur und Kunst und die Lust an geschichtlicher Recherche. Letztere unternahm sie häufig mit kriminalistischer Finesse. Welcher Enkel eines Cottbuser Künstlers lebt noch – und wenn wo? Besitzt der möglicherweise noch Unterlagen, Zeugnisse, Fotos von früheren Künstlern oder Inszenierungen in Cottbus? Wie wären die zu beschaffen? Mit ihrer sympathischen Art gelingt es ihr, Zeitzeugen auch bisher unveröffentlichte Anekdoten zu entlocken. Damit würzt sie das Leseerlebnis ihres Buches.

Archivarbeit ist für Birgit Mache immer beides: Erkenntnisgewinn durch Recherche und Genuss und Freude beim Umgang mit lebenden Menschen, mit Zeitzeugen, die sie besuchte (und besucht), privat oder im Krankenhaus, zu deren Geburtstag sie geladen ist, mit denen sie sich regelmäßig trifft, deren Nachlass sie für das Theater erbt. All ihr Wissen veröffentlicht sie auch in Vorträgen oder in Ausstellungen zur Geschichte des Theaters.

Es ist nur folgerichtig, dass sie in Vorbereitung auf den 100. Geburtstag des Cottbuser Theaters eine Veranstaltungsreihe initiierte, die seit September 2006 hervorragend angenommen, sprich: permanent AUSVERKAUFT ist.

Vorgestern lief er – diesmal hier im Großen Haus – zum achten Mal: DER KAFFEEKLATSCH MIT PROMINENTEN, eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Deutschen Rundfunkarchiv. Mit dieser Reihe gelingt es Birgit Mache, die Theatergeschichte weiterhin aufzuarbeiten und zu dokumentieren, also weitere Archivarbeit zu leisten. Bisher gab es 24 ehemalige Persönlichkeiten des Cottbuser Theaterlebens, die hier zu Wort kamen. Archivarbeit schlägt sich nieder in wachsende Besucherströme, denn die Gemeinde der KAFFEEKLATSCH-Anhänger weitet sich aus.

Birgit Mache gelang es in mehrjähriger Arbeit, das Jubiläum des Staatstheaters durch die Veröffentlichung der einmaligen Chronik IM RAMPENLICHT und durch die Veranstaltungsreihe KAFFEEKLATSCH MIT PROMINENTEN wirkungsvoll vorzubereiten und nachhaltig zu bereichern.

Birgit Mache erhält den Karl Newmann-Förderpreis in Würdigung ihrer hervorragenden Arbeit im Umfeld zum 100. Geburtstag des Staatsthea-ters Cottbus.

Dr. Carola Böhnisch, 1. Musikdramaturgin des Staatstheaters Cottbus

 

Dr. Phil. Antje Mues - Denkmalpflege

Dr. Phil. Antje Mues – Denkmalpflege

Dr. Antje Mues

Max-Grünebaum-Preis

Denkmalpflege

Frau Dr. phil. Antje Mues hat nach der Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau in Heidelberg Kunstgeschichte studiert und 1995 mit einer Magisterarbeit über ein Thema zur Architektur des frühen 20. Jahrhunderts ihr Studium abgeschlossen. Sie kam dann im folgenden Jahr nach Cottbus, wo sie am hiesigen Lehrstuhl für Denkmalpflege in verschiedenen Positionen und mit vielfältigen Aufgaben gearbeitet hat und auch heute wieder tätig ist – unterbrochen vor allem durch ein Promotionsstipendium, das ihr Gelegenheit gab, die Grundlagenarbeiten für ihre Dissertation zur wilhelminischen Architektur in Cottbus zu leisten.

Ihr neuer Lebensmittelpunkt Cottbus bot mit seinem reichen, nahezu unversehrten Baubestand aus dem letzten Viertel des 19. und den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, der vor allem im geschlossenen Quartier der „Westlichen Stadterweiterung“ über die Zeiten hinweg erhalten geblieben ist, günstige Voraussetzungen zur Beschäftigung mit dem wilhelminischen Bauwesen in einer seinerzeit außerordentlich prosperierenden Kleinstadt. Antje Mues nutzte ihre breit angelegten Forschungen und deren Ergebnisse sowohl für eine 2006 erfolgreich abgeschlossene Promotion mit anschließender Veröffentlichung ihrer Arbeit als auch für einen gewichtigen Band der bundesrepublikanischen Denkmaltopographie. Cottbus wird darin als der exemplarische Fall eines blühenden Gemeinwesens dargestellt, das sich mit groß angelegten und großzügig realisierten Bauvorhaben unter Wahrung und Sicherung seiner historischen Substanz nicht nur ein neues Gesicht gegeben, sondern auch neue Lebensgrundlagen geschaffen hat. In alle Richtungen wurden dabei auch die Bedingungen dieses Prozesses ausgeleuchtet und als Voraussetzung des Vorgangs ins Bewusstsein gerückt. Der Wert dieser Arbeit und der daraus hervorgegangenen Publikationen besteht ganz besonders auch darin, die überregionale Bedeutung des wilhelminischen Cottbus einem großen Kreis aufgezeigt und den Bürgern der Stadt ihr kostbares Erbe verdeutlicht und vielleicht als Verpflichtung und Ansporn näher gebracht zu haben.

Gegenwärtig arbeitet Antje Mues unter anderem daran, die Fülle an wichtigen Erkenntnissen aus ihrer Arbeit auf innovative Weise über die Papierpublikation hinaus mit modernsten Methoden zugänglich und abrufbar zu machen.

Hervorzuheben ist, dass es Antje Mues wie ihre Copreisträgerin, Corinna Rohn, als junge Wissenschaftlerin gemeistert hat, Familienplanung und Beruf auf vorbildliche Weise in Einklang zu bringen und schließlich auch  ihr keineswegs auf Cottbus begrenzt es Wissen und ihre wissenschaftlichen Erfahrungen an die Studierenden weiterzugeben. Neben den geschilderten Arbeitsbereichen und Publikationen zeichnen sie vielerlei Forschungsvorhaben und Tätigkeits felder, von denen etwa die Auseinandersetzung mit den brandenburgischen Dorfkirchen genannt sei, als hervorragend geeignete Kandidatin für den Grünebaum-Preis aus.

Prof. Dr.-Ing. Adolf Hoffmann, Honorarprofessor an der BTU Cottbus und ehemaliger Leiter des Deutschen Archäologischen Institutes in Istanbul

 

Prof. Dr.-Ing Corinna Rohn - Baugeschichte

Prof. Corinna Rohn – Baugeschichte

Prof. Corinna Rohn

Max-Grünebaum-Preis

Preisträgerin Baugeschichte

Frau Prof. Dr.-Ing. Corinna Rohn war von 2002 bis 2008 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Baugeschichte der BTU Cottbus und hat im Frühjahr 2008 ihre Promotion über das Theater-Stadion in der antiken Stadt Aizanoi in den westanatolischen Bergen erfolgreich abgeschlossen.

Der umfassende Ansatz, mit dem sie die ausgedehnte Gesamtanlage in ihrem städtebaulichen Kontext bearbeitet hat, macht ihre Arbeit zu einem unverzichtbaren Beitrag zur Kultur- und Baugeschichte Anatoliens. Kaum eine Anlage dieser Komplexität und Größe wurde bisher in der Türkei überhaupt zusammenfassend bearbeitet, und kaum eine Anlage ermöglicht so weit reichende kulturhistorische Schlüsse – etwa auf die Bedeutung der Festspielanlagen für die Entwicklung der anatolischen Städte in der römischen Kaiserzeit. Hierfür kann die Arbeit als eine der wenigen, wenn nicht die einzige in Kleinasien gelten, die auf fundierter Bauforschung und gesicherten Erkenntnissen am Bauwerk selbst aufbaut.

Frau Rohn gehört zu den Wissenschaftlern, die über die traditionellen Grenzen ihres Fachs weit hinausblicken. Sie hat den Gesamtzusammenhang und den stadtgeschichtlichen Rahmen ihrer Arbeit nie aus den Augen verloren und, ganz im Gegenteil, hieraus einen methodischen Ansatz entwickelt, mit dem sie in ihrem zweiten großen, interdisziplinären Forschungsprojekt, der Stadt- und Landschaftsgeschichte Triphyliens im Rahmen des SPP 1209 „Die hellenistische Polis als Lebensform“ der DFG, gleich mehrere antike Städte und Heiligtümer in ihrem historischen und topographischen Umfeld erfolgreich bearbeitet. Mit ihrem Forschungsprojekt ist sie an DFG-Netzwerken und an Forschungsclustern des Deutschen Archäologischen Instituts beteiligt und hat so erheblich dazu beigetragen, die BTU Cottbus als Kompetenzzentrum für die Erforschung großer historischer Baukomplexe und Städte bei den wichtigsten außeruniversitären Wissenschaftsorganisationen bekannt zu machen. Frau Rohn leitet zusätzlich zu ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit in der archäologischen Bauforschung die Bauaufnahme- und Vermessungsarbeiten der BTU Cottbus an der Kathedrale von Santiago de Compostela, die von der Fritz Thyssen Stiftung gefördert werden. Auch in diesem Projekt hat sie wesentlichen Anteil daran, dass ein mittelalterlicher Großbau zusammenhängend, mit einer Kombination unterschiedlicher modernster Methoden und mit absehbarem Aufwand erforscht werden kann, an dem die Bauforschung noch vor kurzem wegen seiner Größe gescheitert wäre.

Hervorzuheben ist, dass Frau Rohn dies alles als Mutter dreier Kinder bewältigt, die so schon sehr früh ihre Familienferien immer wieder an den Wirkungsstätten ihrer Mutter in der Türkei und Griechenland verbracht haben. Sie kann auch für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Vorbild gelten. Der Mut und die Entschlusskraft, mit der sie sich für beides entschieden hat, ist in jeder Beziehung zu bewundern. Ihr Mut, Großprojekte anzugehen, auch wenn sie kaum handhabbar erscheinen, ihre Energie, diese dann auch erfolgreich abzuschließen, ihre hohe wissenschaftliche Reputation, selbstverständliche Einbindung in den außeruniversitären, internationalen Wissenschaftsbetrieb und schließlich ihre Familie sind es, die sie zur idealen Kandidatin für den Max-Grünebaum-Preis gemacht haben. Dass sie zu den erfolgreichsten Nachwuchswissenschaftlerinnen gehört, zeigt sich vor allem auch darin, dass sie schon kurz nach Abschluss ihrer Dissertation, zum 1. August 2008 als Professorin für Baugeschichte und Denkmalpflege an die FH Wiesbaden berufen wurde. Wir bedauern natürlich sehr, dass sie die BTU Cottbus verlassen hat, freuen uns aber umso mehr, dass sie den Geist der Cottbuser Bauforschung nun in den Rhein-Main-Raumträgt. Wir wünschen ihr für ihre neue Tätigkeit und ihre Forschungsprojekte viel Erfolg und freuen uns auf fruchtbare Forschungskooperationen zwischen unseren beiden Hochschulen.

Prof. Dr.-Ing. Adolf Hoffmann, Honorarprofessor an der BTU Cottbus und ehemaliger Leiter des Deutschen Archäologischen Institutes in Instanbul

 

 

Sophie Werdin - Stipendium

Sophie Werdin

Sophie Werdin

Ernst Frank-Förderpreis

Frau Sophie Werdin wurde am 25. April 1986 in Berlin geboren. Nach erfolgreichem Abschluss des Gymnasiums in Angermünde begann sie vor 2 Jahren ihr Studium an der BTU Cottbus. Frau Werdin studiert hier im englischsprachigen Bachelor-Studiengang Environmental and Resource Management, kurz ERM. Zurzeit weilt sie in England, wo sie ihr Auslandssemester an der Sheffield Hallam University absolviert. Von Beginn an fiel sie als eine Studentin mit großer Zielstrebigkeit auf, die mit Hingabe ihr Studium verfolgt und ihr weiteres akademisches Vorankommen plant. Einsatzbereitschaft, Kreativität und Teamfähigkeit gehören zu ihren Stärken. Dass Frau Werdin aber auch in der Lage ist, ein Team erfolgreich zu leiten, konnte sie im vergangenen Semester erfolgreich unter Beweis stellen. Als Tutorin am Lehrstuhl Allgemeine Ökologie war es ihre Aufgabe, ERM-Studierende des ersten Semesters in das wissenschaftliche Arbeiten einzuführen und Hilfestellung beim Erarbeiten von Essays, Postern und Präsentationen zu geben. Sie hat die ihr zugewiesenen studentischen Arbeitsgruppen hervorragend betreut. Frau Werdin selbst weist sehr gute bis gute Noten vor und schreibt kritische und gut durchdachte Essays.

Sie hat außerordentlich großes Interesse an jeglicher Art von Umweltbelangen. So arbeitete sie z. B. schon vor und während ihres Studiums für die drei größten deutschen Umweltschutzorganisationen, nämlich, den WWF, den BUND und den NABU, weilte dabei in Neuseeland und Boston. Schaut man auf ihre doch ein wenig außergewöhnliche Biographie, so wird einem schnell klar, dass es nur folgerichtig war, dass diese junge Frau ausgerechnet Umweltwissenschaften studieren wollte und dass sie unbedingt ein Auslandssemester in ihr Studium einschließen möchte, denn sie ist ein wahrer „cosmopolitan“.

Sie selbst schreibt in ihrer Begründung für ihre Bewerbung an der Sheffield Hallam University als Motivation: „Ich studiere Umwelt- und Ressourcen-Management an der BTU Cottbus im 4. Semester. Ich habe dieses Studienfach in erster Linie aus idealistischen Gründen gewählt. Seit meiner Kindheit bin ich stark naturverbunden. Meine Eltern haben mich in Bezug auf Natur, kulturelles Erbe, fremde Kulturen und Sprachen sehr inspiriert. Sie haben uns auf Reisen durch ganz Europa mitgenommen und nachdem ich die Schule absolvierte, habe ich diese Tradition weitergeführt. Ich bereiste viele Länder und habe dabei die Natur in solch einer Vielfalt und Schönheit kennengelernt: den Grand Canyon in den USA, die Sahara in Marokko, Gletscher und Vulkane in Neuseeland und den Dschungel und die Korallenriffe von Tahiti.

Dieser Planet ist einzigartig und zerbrechlich – ihn zu schützen und zu erhalten sollte unsere höchste Priorität haben.“ Ich glaube, meine sehr verehrten Damen und Herren,  Sie sind mit mir einer Meinung – es ist kein Wunder, dass die Sheffield Hallam University nicht gezögert hat, diese Studentin mit in ihre Reihen aufzunehmen. Und auch wir als BTU sind stolz, ein solches Potenzial vorweisen zu können und, mit Blick auf unsere beiden Max-Grünebaum-Preisträgerinnen, Ihnen hier an dieser Stelle drei unserer hervorragenden jungen Frauen aus unserer Universität vorstellen zu dürfen.

Die Laudatio hielt Prof. Dr.-Ing. Christoph Leyens, BTU Cottbus